Formel 1

Aus Versehen überholt! Weltmeister rechnet mit neuen Formel-1-Regeln ab

Formel 1 Lando Norris McLaren Japan 2026
Lando Norris. Credit: Simon Galloway/LAT Images
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Nun kritisiert auch Weltmeister Lando Norris kritisiert das aktuelle Formel-1-Reglement scharf und schildert ein Problem, das den Sport verändert.

Klare Worte vom Weltmeister: Lando Norris ist mit der aktuellen Formel 1 alles andere als zufrieden. „Die Rennen sehen im Fernsehen vielleicht gut aus, aber das Fahrerlebnis ist nicht so authentisch, wie es sein sollte“, sagt der McLaren-Pilot nach dem Japan-GP in Suzuka.

Sein Hauptkritikpunkt: Die Fahrer hätten zu wenig Kontrolle über ihre Autos – vor allem über das Energiemanagement.

Norris: Überholen, ohne es zu wollen

Norris schildert ein Beispiel aus Suzuka, das aufhorchen lässt. „Ich wollte Lewis gar nicht überholen“, sagt er. Doch seine Batterie habe automatisch Energie abgegeben, ohne dass er eingreifen konnte.

Die Folge: Norris zog an Hamilton vorbei, obwohl er das gar nicht geplant hatte. Kurz danach war die Batterie leer und Hamilton konterte auf der nächsten Geraden problemlos.

„Man ist komplett davon abhängig, was das Auto macht“, so Norris. „Ich kann nichts dagegen machen.“

Fahrer wird zum Passagier

Das Problem liegt im System. Zwar können die Fahrer den Overtake-Modus aktivieren, doch die grundsätzliche Energie-Abgabe steuert die Software. In bestimmten Situationen gibt das System automatisch Leistung frei. Auch wenn es taktisch gar nicht passt.

Formel 1 Lando Norris McLaren Japan 2026
Lando Norris. Credit: Andy Hone/LAT Images

Gerade in schnellen Kurven wie der 130R in Suzuka wird das zum Problem. Der Fahrer muss vom Gas gehen, kann beim Wiederbeschleunigen aber nicht verhindern, dass die Batterie Energie abgibt. Das zwingt ihn zu Manövern, die er eigentlich vermeiden wollte.

McLaren-Teamcheg erklärt das Problem

McLaren-Teamchef Andrea Stella liefert die technische Erklärung. „Man muss sich aussuchen, wann man angreifen oder verteidigen will“, sagt er. Das liege daran, dass die verfügbare Energie nicht für jede Gerade ausreicht.

Der entscheidende Punkt: „Wenn man den Boost-Knopf drückt, bekommt man eine Verlängerung des MGU-K-Deployments. Das verbraucht eine Menge Energie.“ In Suzuka führe das dazu, dass die Autos mit bis zu 340 km/h in die 130R fahren – zu schnell für dauerhaftes Vollgas.

Deshalb müssen die Fahrer lupfen. Doch genau hier beginnt das Problem: „Wenn man danach wieder aufs Gas geht, wird man durch das Reglement gezwungen, den Elektromotor wieder einzusetzen“, erklärt Stella. „Das bedeutet, dass du deine Batterie noch weiter beanspruchen musst.“

Die Folge: Die Energie fehlt später. genau das passierte Norris im Duell mit Hamilton.

Forderung nach mehr Kontrolle

Stella sieht eine klare Lösung: „Man könnte den Ingenieuren erlauben, selbst Streckenabschnitte zu wählen, in denen nach einem Lupfen kein Elektromotor zugeschaltet wird.“ So hätten Teams und Fahrer deutlich mehr Kontrolle über das Energiemanagement.

Formel 1 Andrea Stella McLaren Japan 2026
Andrea Stella. Credit: Alastair Staley/LAT Images

„Ich denke, ansonsten landet man in Situationen wie bei Lando“, warnt Stella.

Nicht nur im Rennen sorgt das für Frust. Auch im Qualifying sehen viele Fahrer Probleme. „Je mehr man pusht, desto langsamer wird man“, beschreibt Carlos Sainz die Situation. 

Fernando Alonso geht noch weiter: „Schnelle Kurven sind zu Ladestationen geworden.“ Statt Vollgas zähle plötzlich das richtige Energiemanagement.

Fazit

Die Fahrer sind die Helden der Formel 1. Wenn sie versehentlich überholen statt bewusst am Limit zu kämpfen, läuft etwas gehörig schief in der Königsklasse. Und wenn sich nun auch der amtierende Weltmeister in den Reigen der Kritiker einreiht, ist schnelles Handeln angesagt. 

FOLGT UNS AUF YOUTUBE!
DAS IST F1-Insider.com!


Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


Verwandte Artikel