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Formel-1-Star beichtet Suchtproblem: „Ich war wie ein Drogenabhängiger“

Formel 1 Valtteri Bottas Mercedes Baku Aserbaidschan 2025
Valtteri Bottas. Credit: Jiri Krenek/Mercedes
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Finnischer Formel-1-Pilot Valtteri Bottas spricht offen über seine frühere Magersucht.

Magersucht kennt man im Leistungssport eigentlich eher aus anderen Disziplinen, etwa vom Skispringen. Sven Hannawald war eines der bekanntesten Beispiele. Doch auch in der Formel 1 gibt es solche Fälle.

In einer sehr offenen und emotionalen Kolumne in berichtet Valtteri Bottas, wie er 2014 – in seinem zweiten Jahr bei Williams – fast seine Karriere zerstörte, seinen Körper an die Grenze brachte und daran vermutlich auch seine Ehe zerbrach.

Bottas und der gefährliche Druck: Immer leichter, immer schneller

Hintergrund: Bottas setzte sich Anfang 2014 extrem unter Druck. Der Finne wollte alles dafür tun, den Williams schneller zu machen. Seine irrationale Formel lautete: „Je weniger ich wiege, desto leichter ist das Auto, desto schneller kann ich fahren.“ Damals gab es noch kein Mindestgewicht für Fahrer und Sitz.

Auf Anraten des Teams begann er einen neuen Ernährungsplan, der schnell ausartete. Statt einer normalen Diät entwickelte sich ein gefährlicher Kampf gegen den eigenen Körper. Bottas ernährte sich zeitweise fast ausschließlich von gedünstetem Brokkoli und Blumenkohl und reduzierte sein Gewicht durch intensives Training immer weiter.

Er beschreibt, wie er jeden Tag aufwachte, sich wog und die sinkende Zahl auf der Waage als Erfolg verbuchte: „Ich war glücklich mit meinem Spiegelbild, obwohl ich immer mehr nur noch ein Strich in der Landschaft wurde.“

Rückblickend sagt er: „Ich war wie ein Drogenabhängiger.“

Der Wendepunkt nach Bianchis Unfall

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Bottas litt unter Benommenheit, fühlte sich in Menschenmengen unwohl und wurde nahezu zwanghaft vom Rennsport beherrscht. Nach dem tragischen Unfall von Jules Bianchi im Jahr 2014 erkannte Bottas schließlich, dass er Hilfe brauchte.

Ein Psychologe zeigte ihm, dass er keine Interessen außerhalb des Motorsports hatte und seine gesamte Identität dem Fahren untergeordnet war. „Der Mann hatte recht. Plötzlich wachte ich auf und begann, die Welt mit anderen Augen zu sehen“, erinnert sich Bottas.

Valtteri Bottas, Sergio Perez, Cadillac, Credit: Formel 1
Valtteri Bottas, Sergio Perez, Cadillac, Credit: Formel 1

Diese veränderte Einstellung machte ihn auch sportlich stärker. Der Finne entwickelte sich weiter und schaffte 2017 den Sprung zu Mercedes, wo er an der Seite von Lewis Hamilton fuhr. Der siebenmalige Weltmeister bezeichnet ihn bis heute als einen der besten Teamkollegen seiner Karriere.

Bottas heute im Cadillac

Heute, mit 36 Jahren und 13 Jahren Formel-1-Erfahrung, steht Bottas erneut am Formel-1-Start und versucht, Cadillac im Debütjahr in die Spur zu bringen. Ohne zu hungern, ohne sich unter Druck zu setzen – eher mit der Weisheit eines gereiften Mannes.

Was Bottas dabei wichtig bleibt: dass selbst die stärksten Athleten, Helden für Millionen, menschliche Schwächen haben, die niemand von außen bemerkt. „Deshalb“, so der Finne, „ist es wichtig, darüber zu reden.“

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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