186 Piloten auf 62 Fahrzeugen – Hypercars, LMP2 und GT3 – bestreiten die 24 Stunden von Le Mans 2026. Doch zwei BMW-Werksfahrer sind zwar vor Ort, werden aber ganz bewusst nicht eingesetzt.
BMW-Stars in Le Mans: Warten auf den Ernstfall
Autor: Gregor Messer
Es ist das Schicksal des klassischen Ersatzfahrers: In Teamkleidung in der Hospitality sitzen, den Ingenieuren über die Schulter schauen oder mit Kopfhörern an der Boxenmauer stehen. Aber nie den Helm aufsetzen und ins Cockpit steigen.
Philipp Eng und Marco Wittmann hat BMW gleich mit zwei Assen nach Le Mans gebracht – allerdings nicht für das Rennen. „Wir sind Ersatzfahrer“, sagt Wittmann, und wirkt darüber erstaunlich gelassen. Auch Teamkollege Eng macht keinen frustrierten Eindruck.
Ihre Aufgabe: einzuspringen, falls einer der sechs Stammfahrer in den beiden BMW M Hybrid V8 kurzfristig ausfällt – durch Krankheit, Verletzung oder andere unvorhersehbare Umstände.
Eng und Wittmann als Reserve
„Wir mischen uns ein, falls uns etwas auffallen sollte“, erklärt Philipp Eng. Der ehemalige Formel-BMW-Champion, der den Langstreckenklassiker bereits mehrfach bestritten hat, konzentriert sich in dieser Saison vor allem auf sein BMW-Programm in der US-amerikanischen IMSA-Serie. Dort zählt er ebenso wie Wittmann regelmäßig zu den Spitzenfahrern.
„Eigentlich ist es echt cool, auf diese Weise beim Team dabei zu sein“, sagt der Österreicher. „Man erhält einen völlig anderen Einblick.“

Eng und Wittmann verbringen viel Zeit mit den führenden Technikern im Ingenieursraum. Dort verfolgen sie die Zeitenlisten, analysieren die Konkurrenz und beobachten das Geschehen auf den Monitoren. Die detaillierte Auswertung von Verbrauchs-, Temperatur- oder Fahrzeugdaten bleibt allerdings den Ingenieuren überlassen.
Wenn der Ersatzmann plötzlich zum Helden wird
Für Eng ist die Rolle nichts Neues. Bereits während des Formel-E-Programms von BMW war er als Ersatzfahrer eingeplant.
Dass solche Fahrer in Le Mans wichtig sein können, zeigt ein Blick in die Geschichte: 2009 kugelte sich Narain Karthikeyan beim Überklettern der Boxenmauer zur Startaufstellung die Schulter aus. Seine Teamkollegen Charles Zwolsman und André Lotterer mussten den Audi R10 TDI daraufhin zu zweit über die Distanz bringen.
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Lotterers starker Auftritt blieb nicht unbemerkt. Er erhielt anschließend einen Werksvertrag bei Audi und gewann später dreimal die 24 Stunden von Le Mans.
Keine Illusionen
„Für uns war von Saisonbeginn an klar, wie unser Programm aussehen wird“, sagt Eng. Die Priorität liege auf der IMSA-Serie mit ihren zwölf Rennen.
In Le Mans übernehmen beide Fahrer deshalb auch zahlreiche Termine für BMW – von Pressegesprächen bis hin zu Marketingveranstaltungen. „Das ist Teil der Arbeit eines Werksfahrers“, sagt Eng. „Es ist trotzdem cool, hier zu sein – es ist schließlich Le Mans!“
Natürlich würde der 35-Jährige lieber selbst hinter dem Steuer sitzen. „Es juckt schon in den Händen und Füßen“, gibt er zu. Doch große Hoffnungen auf einen Renneinsatz macht er sich nicht: „Ich hatte keine Illusionen, dass es anders werden würde.“
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