Formel 1

Ferrari-Legende fremdelt mit neuen Regeln: „Da wehrt sich etwas in mir“

Formel 1 Max Verstappen und Gerhard Berger
Max Verstappen und Gerhard Berger. Credit: Joerg Mitter / Red Bull Ring

Mehr Elektro, weniger Vollgas: Gerhard Berger hadert mit dem neuen Formel-1-Reglement.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mehr Elektro, weniger Vollgas: Gerhard Berger hadert mit dem neuen Formel-1-Reglement.

Die Formel 1 steht 2026 vor dem größten Technik-Umbruch seit Jahren. Mehr Elektro-Anteil, komplexeres Energiemanagement, neue Strategien. Für viele ist das der Weg in die Zukunft; für Gerhard Berger fühlt es sich eher nach Abschied vom klassischen Motorsport an.

„Bis jetzt waren die Parameter ähnlich wie die zu meiner Zeit“, sagt der zehnfache Grand-Prix-Sieger im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten. Doch beim neuen Reglement tue er sich schwer, „dem Ganzen zu folgen, weil das jetzt schon so ein Quantensprung ist.“

Vor allem das veränderte Energiemanagement stößt dem 66-Jährigen bitter auf. „Jetzt mit den ganzen elektrischen Themen rund um den Verbrennermotor, bei denen man früher vom Gas geht, um mehr Leistung für die nächste Gerade zu holen; damit tue ich mich ganz schwer“, gesteht Berger. „Da wehrt sich etwas in mir.“

Berger: „Das widerspricht meiner Liebe zum klassischen Motorsport“

Der Österreicher stammt aus einer Zeit, in der Vollgas noch das Maß aller Dinge war. Zwischen 1984 und 1997 fuhr er für Teams wie Ferrari, McLaren und Benetton, holte zehn Siege und 48 Podestplätze. Für ihn war klar: Wer länger auf dem Pinsel bleibt, gewinnt.

DTM Gerhard Berger
Gerhard Berger. Credit: DTM / Hoch Zwei

„Nicht, dass ich mich damit nicht auseinandersetzen könnte“, betont er. „Aber wenn früher vom Gas gehen belohnt wird, damit tue ich mich schwer. Das widerspricht meiner Liebe zum klassischen Motorsport.“

Auch die „ständige Überreglementierung“ sei ihm ein Dorn im Auge, verrät er. Vor allem, weil Entscheidungen heute an Tischen getroffen würden, „an denen Leute sitzen, die nicht so den Spirit für den Motorsport haben“.

Fahrer oder Ingenieur: Wer macht den Unterschied?

Dennoch will Berger das neue Reglement nicht vorverurteilen. „Ich lasse mich aber auch gern überraschen“, räumt er ein. Klar ist für ihn: Die Formel 1 hat sich stark verändert.

Heute gleichen die Teams laut Berger Uhrmachern. „Die tüfteln lang herum und irgendwo ist dann noch ein Zehntel zu finden“, sagt der ehemalige DTM-Chef. „In meiner Zeit war es rustikaler. Da hast du gar nicht schauen können, wo dein Teamkollege jetzt die Zeit so genau gefunden hat. War das am Anfang oder am Ende der Kurve?“ 

Heute dagegen sei die „Gewichtung zwischen Fahrer und Ingenieur ausgeglichen“, erklärt er. Vielleicht zu ausgeglichen.

Und trotzdem ist Berger überzeugt: „Wer zu meiner Zeit gewonnen hat, der wird auch heute gewinnen, und umgekehrt.“

FOLGT UNS AUF YOUTUBE!
DAS IST F1-Insider.com!


Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


Verwandte Artikel