Die neuen Formel-1-Autos sorgen nicht nur auf der Strecke für Diskussionen – sondern schon vor dem Erlöschen der Startampel.
Die Startprozedur der neuen Formel-1-Generation 2026 steht vor einer möglichen Überarbeitung, doch ausgerechnet Ferrari soll eine entsprechende Regeländerung im vergangenen Jahr blockiert haben. Jetzt flammt die Diskussion neu auf.
Schon in den ersten Tests zeigte sich: Ein perfekter Rennstart ist mit den neuen Autos deutlich komplexer als bisher. Fahrer müssen rund zehn Sekunden vor dem Erlöschen der Ampel den Turbo auf Drehzahl halten, um das Turboloch zu minimieren, dürfen dabei aber die Batterie nicht überladen.
Fahrer warnen vor komplizierten Starts
Audi-Pilot Gabriel Bortoleto warnt: „Es ist kompliziert. Du verlierst schnell den Überblick. Letztes Jahr war es deutlich einfacher.“ Bestes Beispiel: Franco Colapinto, der seinen Alpine beim Startversuch auf der Start-Ziel-Geraden beinahe in die Bande setzte.
Der Grund liegt im neuen Motoren-Reglement. Die elektrische Zusatzleistung (MGU-K) darf erst ab 50 km/h eingesetzt werden. Beim Losfahren sind die Piloten also vollständig auf den Verbrennungsmotor angewiesen. Gleichzeitig darf im Stand nur negativ geladen werden – also Energie rekuperiert, nicht abgegeben.
Heißt: Kein elektrischer „Boost“ beim Anfahren. Wer den Turbo nicht optimal vorbereitet, kommt kaum weg.
Sicherheitsrisiko durch Fehlstarts?
Im Fahrerlager wächst die Sorge. Interne Analysen sollen zeigen, dass aktuell etwa jeder zwanzigste Start misslingt. Bei 20 Autos im Feld bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit, dass bei jedem Rennen mindestens ein Fahrzeug extrem schlecht wegkommt, ist hoch.
Allein: Ein zu langsamer Start erhöht das Unfallrisiko erheblich – vor allem im Mittelfeld.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Fahrer am Ende des Feldes haben oft nur wenige Sekunden zwischen dem Einparken in ihre Startbox und dem Beginn der Ampelsequenz. Ob genug Zeit bleibt, um den Turbo vollständig „aufzuspulen“, ist fraglich. Cadillac-Pilot Valtteri Bottas äußerte bereits Zweifel.
In der kommenden F1-Kommission könnte das Thema offiziell diskutiert werden. Im Raum stehen zwei Optionen. Erstens: eine Mindestzeit zwischen dem Einparken des letzten Autos und dem Beginn der Startampel einzuführen. Zweiten: die Batterie-Regeln für die ersten Meter anzupassen, um das Turbo-Loch zu kompensieren.
Bereits für 2026 wurde die Ampel-Sequenz standardisiert: Jede der fünf roten Lampen muss im Ein-Sekunden-Takt aufleuchten. Doch das reicht offenbar nicht.
Ferrari blockierte Änderung
Brisant: Nach Informationen aus dem Fahrerlager soll im vergangenen Sommer bereits ein Vorschlag zur Anpassung der Startprozedur auf dem Tisch gelegen haben. Dieser wurde jedoch von Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur blockiert.
Seine Argumentation: Die Turbo-Problematik sei bei der Entwicklung der neuen Power Units bekannt gewesen. Wer seinen Motor nicht entsprechend ausgelegt habe, müsse nun mit den Konsequenzen leben. Eine nachträgliche Regeländerung wäre unfair gegenüber jenen Teams, die ihre Konzepte von Beginn an startoptimiert aufgebaut hätten.
Das deutet darauf hin, dass Ferrari beim Turboloch möglicherweise weniger Probleme hat als andere Hersteller.
Ob sich Ferrari diesmal erneut querstellt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Sollte es in Australien zu mehreren Fehlstarts oder gar Kollisionen kommen, dürfte der Druck auf die FIA schnell steigen.
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