Lewis Hamilton erlebt bei Ferrari seinen zweiten Frühling. Nach dem Sieg in Barcelona ist der siebenmalige Weltmeister plötzlich wieder mittendrin im Titelkampf.
Noch vor einem Jahr schien Lewis Hamilton am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen. Das so ersehnte Podium mit Ferrari blieb aus, es folgten, Selbstzweifel und öffentliche Kritik. Der Rekordweltmeister wirkte oft wie ein Schatten seiner selbst.
Heute sieht die Welt völlig anders aus.
Nach seinem ersten Ferrari-Sieg in Barcelona schwebt Hamilton auf Wolke sieben. Der 41-Jährige hat sich nicht nur in Maranello eingelebt – plötzlich gilt er auch wieder als ernsthafter Titelkandidat. Der Rückstand auf WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli beträgt nur noch 41 Punkte. Bei noch 15 ausstehenden Rennen ist das alles andere als uneinholbar.
Doch warum funktioniert die Hamilton-Ferrari-Ehe plötzlich?
Ferrari trifft Hamiltons Fahrstil
Ein entscheidender Faktor ist das Auto selbst. Die neue Fahrzeuggeneration kommt Hamilton deutlich mehr entgegen als die Vorgänger der vergangenen Jahre.
Schon bei Mercedes hatte der Brite immer wieder über die Eigenheiten der Ground-Effect-Autos geklagt. Der Ferrari SF-26 passt dagegen deutlich besser zu seinem natürlichen Fahrstil mit den besonders späten und harten Bremsmanövern. Hamilton fühlt sich wohl in seiner neuen roten Göttin und das schlägt sich direkt in Rundenzeiten nieder.

Dazu kommt: Der Erfolg in Barcelona war kein Zufall. Ferrari hat aktuell eines der stärksten Gesamtpakete im Feld. Zwar fehlt dem SF-26 nach wie vor etwas Motorleistung. Doch genau in diesem Bereich erwarten die Italiener in den kommenden Wochen weitere Verbesserungen, nicht zuletzt durch das Angleichungssystem ADUO.
Neuer Ingenieur, neues Glück
Mindestens genauso wichtig: Hamilton hat an der Boxenmauer ein neues Alter Ego gefunden. Was bei Mercedes Peter Bonnington alias Bono war, ist jetzt Carlo Santi.
Der Italiener ersetzte vor Saisonbeginn Riccardo Adami als Renningenieur. Auffällig dabei: Während Hamilton und der Ex-Renningenieur von Sebastian Vettel am Funk unüberhörbare Differenzen hatten, stimmte die Chemie mit Santi vom ersten Tag an. Nach dem Barcelona-Sieg nahm Hamilton seinen neuen Einflüsterer demonstrativ mit aufs Podium.
„Wir kannten uns vorher überhaupt nicht. Aber wir haben uns sofort verstanden“, schwärmt der Brite. „Es ist großartig, diese Verbindung aufzubauen.“
Fans, Familie und neue Leichtigkeit
Doch die Renaissance des siebenmaligen Weltmeisters begann nicht erst in Maranello. Nach seiner enttäuschenden Saison 2025 zog sich Hamilton bewusst zurück, verbrachte viel Zeit mit Familie und Freunden. Zuletzt war seine Mutter sowohl in China als auch in Montreal als moralische Unterstützung und Reise-Gefährtin mit vor Ort.
Nicht zuletzt die Unterstützung seiner Fans hat ihm in der schwierigsten Phase geholfen. Ein Anhänger hinterließ mit aufbauenden Worten dabei besonders Eindruck. „Er hat mir zugerufen: Vergiss nicht, wer du bist“, verrät Hamilton. „Meine Fans haben mich letztes Jahr wirklich gerettet.“
Hinzu kommt ein knallhartes Trainingsprogramm. Bereits an Heiligabend begann Hamilton nach eigenen Angaben mit der Vorbereitung auf seine erste Ferrari-Saison. „Das Training war härter als alles, was ich bisher gemacht habe“, so der siebenmalige Champion, der schon einige Fitnessprogramme absolviert hat.
Vasseur glaubte immer an Hamilton
Vergessen will Hamilton bei seinem Höhenflug aber vor allem einen Mann nicht: Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur. Der Franzose holte den ehemaligen Mercedes-Star nach Maranello und hielt auch in schwierigen Phasen unbeirrt an seinem Superstar fest.

„Ich danke Fred dafür, dass er an mich geglaubt und mich in dieses Team geholt hat“, sagte Hamilton nach seinem Barcelona-Triumph. „Wir haben die Hoffnung nie aufgegeben.“
Die Zahlen geben ihm recht: Nach sieben Rennen liegt Hamilton bereits auf Rang zwei der WM. Titel Nummer acht? Plötzlich wieder möglich
Allein: Offiziell will er vom achten WM-Titel noch nichts wissen. „Ich denke noch nicht an die Meisterschaft“, bremst der Ferrari-Star die Euphorie. „Ich nehme ein Rennen nach dem anderen.“
Doch fest steht: Nach dem Saisonstart hätte wohl kaum jemand darauf gewettet, dass Hamilton Ende Juni wieder zu den Favoriten zählt.
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