Formel 1

McLaren-Chef packt aus: „Ich fühlte mich wie Darth Vader“

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Zak Brown. Credit: Sam Bagnall/Sutton Images
Ralf Bach
Ralf Bach

Heute ist McLaren wieder zurück an der Spitze der Formel 1. Doch als Zak Brown Ende 2016 beim Traditionsteam einstieg, herrschten in Woking Krisenstimmung und Chaos. Der Amerikaner erinnert sich sogar an Zustände wie im „Star Wars“-Imperium.

Wenn McLaren an diesem Wochenende beim Grand Prix von Monaco seinen 1000. Formel-1-Start feiert, steht das Traditionsteam dort, wo es lange nicht mehr war: ganz oben. Lando Norris reist als Weltmeister ins Fürstentum, McLaren als amtierender Konstrukteurs-Weltmeister.

Doch vor nicht einmal zehn Jahren sah die Welt in Woking völlig anders aus.

Als McLaren-Boss Zak Brown Ende 2016 bei dem Rennstall anheuerte, der mit Fahrern wie James Hunt, Niki Lauda, Alain Prost und vor allem Ayrton Senna Formel-1-Geschichte schrieb, fand er ein Team am Boden vor. Die einstige Macht der Königsklasse dümpelte hinterher, die Stimmung war miserabel, die Ergebnisse katastrophal.

Der Amerikaner erinnert sich sogar an eine Szene wie aus einem „Star Wars“-Film. „Unsere Fabrik sieht ein bisschen aus wie in Star Wars. Ich fühlte mich wie Darth Vader. Es war dunkel, es war nicht besonders warm“, erzählt Brown.

Die schwarzen Rennwagen, die grauen Wände und die gedrückte Atmosphäre hätten perfekt zu diesem düsteren Bild gepasst.

Vom Imperium zu Luke Skywalker

Dann zog Brown die Notbremse. „Wir wollten auf die Seite von Luke Skywalker wechseln – warmherzig, einladend und inklusiv sein.“ Ein radikaler Kulturwandel begann.

Denn 2017 erlebte McLaren einen der tiefsten Abstürze der Teamgeschichte. Platz neun von zehn in der Konstrukteurs-WM, gerade einmal 30 Punkte. Die hochgelobte Partnerschaft mit Honda war zum Desaster geworden.

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Zak Brown. Credit: Andrew Ferraro/LAT Images/McLaren

Brown erinnert sich: „Die Partner waren unzufrieden, die Fahrer waren unzufrieden, große Teile des Teams waren unzufrieden. Überall kursierten Verschwörungstheorien.“

Der heutige McLaren-Chef erkannte jedoch schnell, dass das Problem nicht fehlendes Talent war. „Hier steckte eine enorme Menge Talent. Es ging nur darum, dieses Talent freizusetzen, Motivation und Begeisterung zu wecken und den Spaß zurückzubringen.“

Ein wichtiger Schritt war die Rückkehr zur legendären Papaya-Lackierung, der ursprünglichen Farbe von Teamgründer Bruce McLaren. Als Kritiker ihm vorwarfen, er tue das nur für die Fans, antwortete Brown trocken: „Genau deshalb machen wir es ja!“

McLaren-Wert liegt bei rund fünf Milliarden Dollar

Der Plan ging auf. Aus dem Krisenteam wurde Schritt für Schritt wieder ein Titelkandidat. Während McLaren 2020 auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie noch dringend frisches Kapital benötigte, gehört der Rennstall heute zu den wertvollsten Teams der Formel 1. Experten schätzen den Wert inzwischen auf mehr als fünf Milliarden Dollar.

Sportlich folgte schließlich die Krönung. McLaren kehrte an die Spitze der Formel 1 zurück und feierte erstmals seit Jahrzehnten wieder die größten Erfolge. Mit Lando Norris und Teamchef Andrea Stella gelang die lang ersehnte Rückkehr in die Weltmeister-Regionen.

Brown ist überzeugt, dass der Erfolg vor allem auf dem Teamgeist basiert. „Unser Team arbeitet hervorragend zusammen. Wir sind sehr stabil. Wir sind alle schon seit geraumer Zeit zusammen.“

Fest steht: Das Imperium hat unter Zak Brown tatsächlich zurückgeschlagen – allerdings auf der Seite der Guten.

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Autor

Ralf Bach
Ralf Bach

Ralf Bachs Zuhause ist der Formel-1-Zirkus. Seit rund 30 Jahren berichtet er für SPORT BILD, AUTO BILD MOTORSPORT, SPORT1 und das Ippen-Netzwerk (TZ München, Frankfurter Rundschau) von der Königsklasse. Für seine exklusiven Stories wurde er in die „Paddock Hall of Fame“ der Formel 1 aufgenommen. Auf F1-Insider.com schildert er, wie die Protagonisten ticken. Twitter: @ralfbond


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