Mercedes sorgt mit seinem neuen Formel-1-Motor für Unruhe im Fahrerlager. Ein clever genutzter Regelspielraum soll den Silberpfeilen spürbare Extra-Power bringen.
Es ist DAS Rätsel des Formel-1-Winters 2026. Mercedes soll mit dem neuen Formel-1-Motor für 2026 einen spürbaren Leistungsvorteil gefunden haben. Im Fahrerlager ist von zweistelligen PS-Gewinnen die Rede. Der Schlüssel soll in der Verdichtung liegen.
Das Thema schlägt hohe Wellen und ist so brisant, dass Wolff bereits verbal den Werwolf auspackte und die Konkurrenz aufforderte, „ihren eigenen Sch… zusammenzubringen“.
Mercedes-Trick erhöht Verdichtungsverhältnis
Doch wie kann ein Motor im Rennbetrieb mehr leisten, obwohl das Reglement klare Grenzen setzt?
Hintergrund: Für die neue Motoren-Generation hat die FIA die maximale Verdichtung erstmals festgeschrieben: 16:1 lautet die Obergrenze. Gemessen wird allerdings nur statisch, also bei Umgebungstemperatur im Stand. Die Kontrolle erfolgt über das Zylindervolumen zwischen oberem und unterem Totpunkt. Sensoren im Fahrbetrieb gibt es nicht.

Genau hier setzt das Mercedes-Prinzip an. Denn was auf dem Prüfstand regelkonform ist, kann sich auf der Strecke verändern.
Dabei ist Verdichtung extrem wichtig. Grund: Mit weniger Sprit pro Runde und CO₂-neutralem Kraftstoff mit geringerer Energiedichte wird Effizienz zum entscheidenden Faktor. Je höher die Verdichtung, desto besser lässt sich die Energie aus dem Benzin nutzen.
Und was macht Mercedes? Laut Auto Motor und Sport nutzt Mercedes gezielt das Prinzip der Materialausdehnung. Entscheidend sollen dabei die Pleuel sein. Sie bestehen offenbar aus speziellem Austenitstahl, der sich bei Hitze stärker ausdehnt als der Motorblock. Ergebnis: Im Fahrbetrieb schrumpft das effektive Brennraumvolumen, die Verdichtung steigt.
Kolben aus 3D-Drucker
Zusätzlich sollen maßgeschneiderte Kolben aus dem 3D-Drucker zum Einsatz kommen, deren Ausdehnung exakt berechnet ist. Damit lässt sich die Verdichtung im Betrieb weiter erhöhen. Experten schätzen: So sind rund 17:1 erreichbar.
Doch das allein reicht nicht für den kolportierten Vorteil eines Verdichtungsverhältnisses von 18:1. Der angebliche Zusatz-Trick: ein winziges Zusatzvolumen, das über einen extrem schmalen Kanal mit dem Brennraum verbunden ist. Beim statischen FIA-Test würde dieses Volumen mitgemessen, im heißen Rennbetrieb aber „abgekoppelt“. Die Verdichtung würde steigen, ohne messbar zu sein.

Diese Idee soll die FIA laut Auto Motor und Sport jedoch klar ausgeschlossen haben. Offenbar ist dieser Weg nicht regelkonform.
Fest steht: Mercedes hat eine Lösung gefunden, die innerhalb des Regelwerks funktioniert und die FIA frühzeitig eingebunden. Teamchef Toto Wolff dementierte den Vorteil nicht, betonte aber die Transparenz gegenüber den Regelhütern. Das erinnert an frühere Grauzonen-Meisterstücke wie das legendäre DAS-Lenksystem.
Wie groß der Vorteil wirklich ist, wird sich erst zeigen, wenn alle Hersteller ihre Motoren voll ausreizen. Doch schon jetzt ist klar: Mercedes hat beim neuen Antrieb offenbar früher verstanden als andere, wo das Reglement Spielraum lässt. Und genau das entscheidet in der Formel 1 oft über Sieg oder Niederlage.
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