Formel 1

Schumacher ledert gegen das neue Formel-1-Reglement

Formel 1 George Russell und Charles Leclerc Australien 2026
George Russell und Charles Leclerc. Credit: Joe Portlock/Getty Images
Alex Warneke
Alex Warneke

Ralf Schumacher übt deutliche Kritik am neuen Formel-1-Reglement. Der Sky-Experte spricht von „künstlich herbeigeführter Spannung“.

Der Saisonauftakt der Formel 1 in Melbourne hat eine große Diskussion über das neue Reglement ausgelöst. Einer der schärfsten Kritiker ist nun auch Ralf Schumacher. Der Sky-Experte sieht zwar einen unterhaltsamen Start in die Saison, warnt aber gleichzeitig vor einer Entwicklung, die der Glaubwürdigkeit der Königsklasse schaden könnte.

„Ich fand das am Anfang gut“, sagt der sechsmalige Grand-Prix-Sieger im Podcast Backstage Boxengasse. Mit etwas Abstand zum Rennen habe sich seine Einschätzung jedoch verändert. „Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich die Fahrer.“

Damit spielt Schumacher auf die Kritik mehrerer Piloten an. Max Verstappen, Fernando Alonso und Weltmeister Lando Norris hatten bereits nach dem Rennen deutliche Zweifel an den neuen Autos und der Fahrweise geäußert.

Formel 1 Lando Norris und Max Verstappen Australien 2026
Lando Norris und Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Schumacher Fahrerische Elemente gehen verloren

Aus Sicht Schumachers trifft diese Kritik einen wichtigen Punkt. Seiner Meinung nach verändert das neue Reglement den Charakter der Formel 1 stärker als vielen zunächst bewusst war. „Der Mut der Fahrer, der vorher nötig war, in schnellen Kurven mehr Risiko einzugehen, ist jetzt nicht mehr da“, erklärt er.

Auch die spöttische Aussage von Fernando Alonso, dass inzwischen sogar „der Koch des Teams“ ein solches Auto durch schnelle Kurven fahren könne, sei nicht völlig aus der Luft gegriffen. Schumacher sieht darin eine problematische Entwicklung: „Man nimmt jetzt quasi dieses Fahrerische weg und ersetzt es durch einen künstlichen Eingriff.“

Zwar sorgte das Rennen in Australien für zahlreiche Positionswechsel und spannende Duelle, doch auch das bewertet Schumacher kritisch. Für ihn entsteht ein Teil der Spannung durch technische Effekte des neuen Systems und nicht mehr ausschließlich durch fahrerisches Können. „Mir haben auch viele Überholmanöver zu künstlich gewirkt“, sagt der ehemalige Grand-Prix-Sieger.

Dass die Formel 1 anschließend mit der hohen Zahl an Überholmanövern geworben hat, sieht er deshalb skeptisch. „Die Glaubwürdigkeit fehlt mir dabei“, erklärt Schumacher. „Am Ende war das eine künstlich herbeigeführte Spannung.“

Formel 1 Ralf Schumacher Sky Ungarn 2025
Ralf Schumacher. Credit: Guido De Bortoli/LAT Images/Sauber

Formel 1 vor einer Grundsatzentscheidung

Nach Ansicht des Sky-Experten steht die Königsklasse damit vor einer entscheidenden Frage. Die Serie müsse klären, welchen Weg sie künftig einschlagen wolle. „Das ist jetzt der Scheideweg der Formel 1“, warnt Schumacher. Es gehe darum, ob möglichst viele Überholmanöver erzeugt werden sollen, oder ob weiterhin das fahrerische Talent im Mittelpunkt stehen soll.

Trotz eines spannenden Rennens sieht Schumacher deshalb auch Risiken für die Zukunft der Serie. „Ich habe fast ein bisschen das Gefühl, dass das im Moment nicht ungefährlich für die Formel 1 ist“, sagt er.

Anpassungen am Reglement möglich?

Gleichzeitig erinnert Schumacher daran, dass die aktuellen Regeln in einer Phase entstanden sind, in der die Automobilindustrie stark auf Elektrifizierung setzte. „Dementsprechend kann man das Reglement nachvollziehen“, sagt er. Trotzdem hält er Veränderungen für denkbar und möglicherweise sogar notwendig.

„Wenn ich der Boss der Formel 1 wäre, würde ich mir das Reglement so, wie es jetzt ist, nicht bis zum Ende anschauen.“ Der aktuelle Plan der Formel 1 sieht jedoch vor, die neuen Motorenregeln für mindestens fünf Jahre beizubehalten.

Doch was kann wie schnell überhaupt für natürlicheres Racing angepasst werden? Weniger Super-Clipping und Lift & Coast würde zwar den Fahrer wieder mehr in den Vordergrund rücken, doch dann stünde auch wesentlich weniger Leistung zur Verfügung. Der 476-PS-starken Elektromotor würde deutlich weniger Saft in seinem Energiespeicher vorfinden. Und der Verbrennungsmotor kann das mit seinen 540 PS nicht königsklassengerecht abfangen.

Kurzfristig kann die Formel 1 also nur zwischen echterem Fahrer-Racing aber deutlich langsameren Rundenzeiten austarieren.

Und mittelfristig? Wenn die Formel 1 die fahrersportlichen Elemente schützen, aber auf keine 1.000 PS verzichten will, muss der Verbrenner wieder auf seine 800 – 850 PS hochgeschraubt werden und das Rekuperieren aufs Bremsen beschränkt werden.

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Autor

Alex Warneke
Alex Warneke

Alex ist unser Hybrid im Redaktionsteam. Als Rennspiel-Experte versorgt er die F1 Insider Leser mit Texten aus der SimRacing-Welt. Zudem ist Alex als Videocreator im F1-Insider-Team aktiv. Interviews und spannende Themen aus der Formel 1 bereitet er für unseren YouTube Kanal auf.


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