Formel 1

Verstappen überrascht mit spannender Schalt-Taktik

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Bahrain Test 2026
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Max Verstappen sorgte in Bahrain mit einer ungewöhnlichen Schalttechnik für erste Technik-Spekulationen.

Warum klang der Red Bull plötzlich anders als alle anderen? Wer beim Start der Formel-1-Tests in Bahrain genau hinhörte, bemerkte schnell: Max Verstappen fuhr nicht nur schnell, er fuhr anders. 

Von der Tribüne aus war klar zu hören: Während die meisten Piloten die langsame Links in Kurve 10 im zweiten Gang nahmen, schaltete Verstappen konsequent bis in den ersten Gang zurück – und das oft noch während der Bremsphase. Die Drehzahl schoss hoch, das Heck wurde unruhig, das Auto agil.

Verstappens Trick mit dem Runterschalten

Allein: Was nach unnötigem Risiko klingt, hat System. Mit den neuen 2026er-Antrieben ist das Energiemanagement entscheidend. Der Elektromotor hat deutlich mehr Leistung als bisher, dafür muss die Batterie maximal geladen werden. Und genau dabei hilft aggressives Herunterschalten: Hohe Drehzahlen beim Bremsen bedeuten mehr Rekuperation über die Hinterachse.

Red Bull hat schon früh angedeutet, dass man mit extremen Drehzahlkonzepten arbeite. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet: Der Antrieb ist offenbar darauf ausgelegt, solche Manöver mechanisch zu verkraften und effizient zu nutzen.

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Bahrain Test 2026
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Während Verstappen das Manöver von Beginn an sauber durchzog, wirkten andere Teams unvorbereitet. Lediglich die beiden Audi-Piloten Gabriel Bortoleto und Nico Hülkenberg wagten das ungewöhnliche Schaltmanöver bereits am ersten Testtag, hatten aber sichtbar Mühe mit der Heckstabilität.

Am Donnerstag änderte sich das Bild. Immer mehr Fahrer nutzten den ersten Gang. Carlos Sainz brachte es auf den Punkt: „Wir sehen, was die anderen machen, und wir versuchen es zu kopieren.“ Lando Norris probierte es erfolgreich im McLaren, Pierre Gasly ebenso im Alpine. Auch Charles Leclerc testete punktuell den extra Downshift. 

Mercedes verzichtet – Vorteil für Red Bull?

Brisant: Mercedes verzichtet komplett auf die Prozedur. Im Silberpfeil soll der erste Gang laut Sky-Experte Ralf Schumacher nur beim Start verwendet werden. Ein Nachteil?

Fest steht: Für Motor und Getriebe stellt der niedrige Gang eine zusätzliche Belastung dar. Und: Der Fahrer muss das dynamische Eigenleben des Autos kontrollieren. Genau hier scheint Verstappen bereits einen Schritt voraus. „Die Balance des Autos ist im niedrigeren Gang nicht so einfach zu handeln“, erklärt Ralf Schumacher. „Erstens wirkt das beim Verzögern wie eine Motorbremse und zweitens wird das Heck beim Beschleunigen extrem leicht.“

Auch deshalb macht ein niedrigerer Gang Red Bull nicht automatisch schneller. Erste GPS-Daten deuten aber bereits an, dass der blaue Renner effizienter lädt und länger volle elektrische Leistung auf den Geraden abrufen kann. Aus dem speziellen Fahrstil wird so schnell ein strategischer Vorteil.

Klar scheint: Red Bull hat sich intensiv auf die neue Motor-Ära vorbereitet. Und Verstappen wirkt, als habe er sich diese aggressive Technik längst zu eigen gemacht. Er selbst bleibt aber kryptisch: „Wer weiß, vielleicht probieren wir morgen schon wieder ganz etwas Neues?“

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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