Die neue Motoren-Ära der Formel 1 sollte die Zukunft einläuten. Doch nach den ersten Tests wächst der Widerstand. Ein Kommentar von Ralf Bach.
Wird die Formel 1 zur Formel K? K wie Koch! So könnte man jedenfalls die Aussage von Doppelweltmeister Fernando Alonso deuten, dem das Fahrverhalten seines Aston Martin nach den Testfahrten in Bahrain schwer auf den Magen geschlagen ist. „Selbst unser Koch könnte heute ein Formel-1-Auto fahren“, verkündete der Spanier mit süßsaurer Miene. Die Autos nach der Regelrevolution seien zu einfach zu fahren; statt Gas zu geben, müsse man bremsen, statt am Limit zu fahren, Energiemanagement betreiben.
Alonso hat mit dieser Abrechnung noch vor dem Saisonstart am 8. März in Melbourne nicht nur für Lacher gesorgt, sondern den Machern der Königsklasse gründlich den Appetit verdorben.
Denn die wollen vor allem eines: spannende Rennen, neue Fans – speziell im wichtigen US-Markt – und wirtschaftliches Wachstum. Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Die Formel 1 ist längst globales Entertainment-Geschäft. Doch genau dort beginnt die Reibung.
Verstappen zündet Spaß-Diskussion an

Vor Alonso hatten bereits Lewis Hamilton („Für diese Autos braucht man einen Uniabschluss“) und Max Verstappen Kritik geäußert. Der Niederländer verglich seinen Red Bull mit einem vollelektrischen Formel-E-Wagen auf Steroiden. Er wisse zwar, was er tun müsse, um zu gewinnen. Aber genau das bereite ihm keinen Spaß. Er wolle am Limit fahren, jede Kurve. Nicht gewinnen, weil er Energieprofile optimal verwalte und in ungewohnt niedrigen Gängen rekuperiere, nur um die Batterien zu füttern, die inzwischen rund die Hälfte der Motorleistung liefern.
Man könnte es so formulieren: Einer Abfahrtswildsau erklärt man auch nicht, sie solle künftig nur noch Slalom fahren – selbst wenn auch dort am Limit gefahren wird.
Dass Verstappen seine Kritik offen formuliert, passt nicht jedem. Intern soll es durchaus Hinweise gegeben haben, künftig diplomatischere Töne anzuschlagen. Doch Verstappen bleibt bei seiner Linie: Er sage, was er denke.
Fahrer wie Weltmeister Lando Norris sind den Machern da lieber. „Max kann doch aufhören, wenn es ihm keinen Spaß mehr macht“, sagte der Brite. Das ist sein gutes Recht. Doch der Zusatz hinterließ ein Geschmäckle. „Wir verdienen so viel Geld, dann sollte man sich nicht beschweren“, erklärte er. Über den Tellerrand des Alonso-Kochs blickte er damit nicht. Im Gegenteil: Er löste eine Verantwortungsdiskussion aus. Wie viel und in welcher Form sollen die Formel-1-Stars Vorbilder für die junge Generation sein?
Verstappen wurde 2025 nach seiner Kollision mit George Russell in Barcelona deutlich bestraft – auch mit Verweis auf seine Vorbildfunktion. Allein: Man kann die aktuellen Aussagen auch anders sehen. Was ist besser für Kids und Teens? Ein Verstappen, der zu seinen Werten steht und sagt, was er denkt? Oder Norris, dessen Message lautet: Wenn ihr genug Geld bekommt, haltet Euch mit Eurer Meinung einfach zurück.
Formel-1-Stars als Vorbilder
Vielleicht lohnt in Sachen Vorbildfunktion der Spitzensportler ein Blick zurück. Ich sehe den 14-jährigen Ralf vor mir, der gerade den Sprung in die Nachwuchskader der Landesauswahl im Fußball geschafft hat und Franz Beckenbauer als Vorbild hatte. Wie sich der „Kaiser“ bewegte, wie er den Außenristpass zelebrierte, wie jede Bewegung die Botschaft vermittelte: Der Ball ist dein bester Freund. Auch im Energiemanagement war Beckenbauer seiner Zeit voraus. Seine Philosophie eignete ich mir an: Renne nie, auch nicht publikumswirksam, einem Ball hinterher, von dem du schon vorher weißt, dass er ins Aus geht.

Die Frage ist also nicht, ob Energiemanagement legitim ist. Sondern wie sichtbar es ist. Und ob der Fan noch erkennt, warum jemand gewinnt. Es geht um nicht weniger als das Selbstverständnis des Sports. Die Formel 1 will technologisch führend sein und emotional fesselnd bleiben. Beides gleichzeitig zu schaffen, ist die eigentliche Herausforderung dieser neuen Ära.
Fest steht: Die Diskussionen über die Formel-1-Boliden werden auch in dieser Woche weitergehen, wenn die letzten drei Testtage vor dem Saisonauftakt stattfinden.
Um das Schlimmste zu verhindern, könnte Mercedes vielleicht eine Lösung anbieten: Warum bringt man nicht 22 Safetycars an die Rennstrecke und lässt die F1-Stars unter sich ausmachen, wer den schwersten Gasfuß hat? Die getunten AMGs jedenfalls scheinen von Fernando Alonsos Koch kaum zu bändigen zu sein. Fragt mal bei Mercedes-Jungstar Kimi Antonelli nach …
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