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Kommen wegen Mick Schumacher jetzt mehr deutsche Fahrer in die IndyCar?

Mick Schumacher Indycar Debüt St. Petersburg 2026
Mick Schumacher. Credit: Indycar
Michael Zeitler
Michael Zeitler

Mit Mick Schumacher wird beim Indy 500 erstmals seit mehr als 100 Jahren wieder ein deutscher Fahrer am Start stehen. Folgen ihm weitere Deutsche in die IndyCar?

Mick Schumacher hat mit seinem Wechsel in die IndyCar-Serie eine Meisterschaft in Deutschland wieder salonfähig gemacht, die seit Jahren aus dem Gedächtnis vieler Motorsport-Fans verschwunden war. Doch Schumi junior weckt mit seinen Auftritten dort das Interesse vieler Fans. Nachdem F1-Insider.com die bisherigen Auftritte des Sohnes von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher auf YouTube analysiert hat, kamen fast durchweg positive Kommentare zur Rennserie. Ein Zuschauer schreibt zum Beispiel: „Ich habe mir das letzte Rennen angesehen, und es war krass, wie die am Lenkrad arbeiten mussten.“

IndyCar, das US-Pendant zur Formel 1, kommt in uriger Aufmachung daher: keine Servolenkung, Oldschool-Rennstrecken, Boxenstopps mit Nachtanken – und vor allem ohne Unsafe Release.

Mick Schumacher Indycar Oval Test 2026
Mick Schumacher. Credit: Indycar

Deutschland und die IndyCar haben keine besonders erfolgreiche gemeinsame Geschichte. Mick Schumacher ist zwar der 20. deutsche Fahrer in der Serie, aber gerade einmal drei davon waren bei mehr als zehn Rennen am Start: Arnd Meier (29), Christian Danner (18) und Timo Glock (13). Vor allem: Beim Höhepunkt der Serie, dem Indy 500, war seit mehr als 100 Jahren kein Deutscher mehr dabei. Dabei ist ein Sieg beim Indy 500 fast schon prestigeträchtiger als der Titel in der Meisterschaft.

Erste GP-Sieger beim Indy 500

Die letzten Deutschen beim Indy 500 waren Max Sailer, Christian Werner und Christian Lautenschlager. Letzterer war 1908 auch der erste deutsche Grand-Prix-Sieger, als er für Mercedes den Frankreich-GP gewann. Alle drei fuhren 1923 beim Indy 500 für Mercedes. Der deutsche Hersteller entwickelte dafür extra den Mercedes Type 122 (2-Liter-Vierzylinder mit 150 PS) und brachte ihn nach Amerika. Sailer wurde Achter, Werner Elfter, Lautenschlager fiel nach einem Unfall aus.

Einmal siegte ein Deutscher in der IndyCar: Bernd Rosemeyer 1937 beim Vanderbilt Cup in Westbury. Neben der IndyCar-Elite mit Herstellern wie Miller und Studebaker waren damals auch GP-Autos aus Europa zugelassen. Auto Union, Mercedes, Maserati und Alfa Romeo stellten sich dem Wettbewerb – Rosemeyer siegte im Auto Union bei seinem einzigen Start in der IndyCar.

Zweimal machte die IndyCar sogar Halt in Deutschland: 2001 und 2003 beim German 500 am Lausitzring. Sogar die ARD berichtete damals vom Rennen 2001 – bis Alessandro Zanardi bei einem schweren Unfall beide Beine verlor.

Nach Mick Schumacher: Kommen auch Hülkenberg und Co.?

Jetzt also der nächste Versuch, die IndyCar in Deutschland populär zu machen – durch den Namen Mick Schumacher. Nach drei Rennen liegt er in der Meisterschaft noch auf dem letzten Platz. Allerdings fehlt ihm Erfahrung, er fährt für ein Team, das im vergangenen Jahr das schwächste im Feld war, und hatte zudem viel Pech durch Unfälle und Kollisionen. Platz vier im Qualifying zum Ovalrennen in Phoenix deutet an, dass mit Schumacher beim Indy 500 durchaus zu rechnen ist.

Doch wie geht es weiter? Schumacher hat bei Rahal Letterman Lanigan einen Einjahresvertrag. In der Vergangenheit haben auch andere Teams Interesse gezeigt, etwa Dale Coyne Racing.

Folgen Schumacher weitere Deutsche in die IndyCar? Viele Fahrer lehnen die Risiken der Ovalrennen ab. Nico Hülkenberg sagte 2019: „Ovalrennen sind nichts, was mich sonderlich anzieht. Ich habe großen Respekt davor, aber das ist nicht mein Ding.“ Zwei Jahre später testete er für McLaren auf einem Rundkurs einen IndyCar. Sein Fazit: „Ich kann bestätigen, dass diese Monster schwer zu fahren sind. Ich müsste wahrscheinlich öfter ins Fitnessstudio gehen.“ Ein McLaren-Angebot für einzelne Gaststarts 2022 lehnte er ab. Zudem ist Hülkenberg aktuell bis Ende 2027 an Audi gebunden.

Porsche verhandelte über IndyCar-Einstieg

Sophia Flörsch hätte gern den Schritt in die IndyCar gemacht. 2025 sollte sie in der Nachwuchsserie Indy NXT auf einen Wechsel vorbereitet werden, doch nach einem Rennen war bereits Schluss. Für 2026 verfolgt sie andere Pläne. Es soll in eine Weltmeisterschaft gehen. Neben der Formel 1 kämen dafür nur die Formel E oder die Langstrecken-WM infrage.

Auch Maximilian Günther hatte 2019 gegenüber F1-Insider.com sein Interesse am Indy 500 bekundet: „Das würde mich schon reizen. Generell wäre es ein riesiger Traum für mich, das Indy 500 einmal zu fahren.“ Damals war er näher dran als heute, weil er als BMW-Pilot in der Formel E für das Andretti-Team fuhr; eines der Topteams in der IndyCar. Inzwischen startet er für DS, deren Engagement jedoch endet. Für den Nachfolger Opel – immerhin ein deutscher Hersteller – gilt Günther als Kandidat.

Formel 2 Oliver Goethe 2026
Oliver Goethe. Credit: mpmotorsport

Bleibt noch Formel-2-Fahrer Oliver Goethe, ein Nachfahre des Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Er weiß: „2026 wird meine letzte Chance in der Formel 2.“ Plan A ist die Formel 1. Zwar liegt er nach dem ersten Rennwochenende auf Rang sechs, doch nach dem Aus im Red-Bull-Nachwuchsprogramm ist ein Aufstieg schwieriger geworden. „Einen konkreten Plan B gibt es noch nicht“, sagt Goethe. „Aber ich bin für alles offen.“

IndyCar ist teuer

Ein Wechsel in die IndyCar kostet Geld. Sechs bis acht Millionen Dollar werden für ein Vollzeit-Cockpit in einem kleineren Team fällig, doppelt so viel für ein Topteam. Selbst ein Start beim Indy 500 kostet ein bis zwei Millionen Dollar. Dafür braucht es Sponsoren oder Hersteller.

Seit Jahren bemüht sich die IndyCar um einen dritten Motorhersteller neben Honda und Chevrolet. Mit Porsche saß vor einigen Jahren auch ein deutscher Interessent am Tisch. Doch die Gespräche verliefen ebenso im Sande wie mit Toyota und Hyundai.

Dabei braucht die IndyCar dringend Nachwuchs. Mindestens sieben der 33 Fahrer beim Indy 500 werden älter als 40 Jahre sein. Hélio Castroneves ist dann 51, Takuma Sato 49. Junge Fahrer wie Mick Schumacher bringen frischen Wind in die Serie.

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Autor

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Nach dem Politikwissenschaftsstudium stellte er fest: Interessant, aber der Motorsport ist dann doch spannender. Als Kind der Schumi-Ära hat Michael Zeitler kaum ein Formel-1-Rennen verpasst und Gefallen auch an anderen Rennserien wie der IndyCar gefunden. Nach ersten journalistischen Erfahrungen, etwa im Regionalfernsehen, kam er im Oktober 2015 als Volontär und schließlich als Redakteur zu AUTO BILD MOTORSPORT. Seit 2020 gehört er zum Team F1-Insider.


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