Das erste Rennen ist noch nicht mal gefahren, da ist es schon wieder vorbei mit dem Sport im Mittelpunkt. Nach dem Qualifying zum GP Australien schießen mehrere Fahrer scharf gegen die aktuelle Fahrzeuggeneration. Die Kritik hatte bereits bei den Wintertests in Bahrain begonnen, als Weltmeister Max Verstappen die neuen Autos als „Formel E auf Steroiden“ bezeichnete. Beim Grand Prix in Melbourne flammt die Diskussion nun erneut auf.
Besonders deutlich wird McLaren-Pilot Lando Norris, der nach seinem angeblich ja geflunkerten Lob beim ersten Test nun endgültig die 180-Grad-Wende vollzieht. Für ihn haben die neuen Autos wenig mit klassischem Racing zu tun. „Um zu wissen, ob man am Ende der Geraden 20 Meter früher oder zehn Meter später bremsen muss, muss man alle drei Sekunden auf das Lenkrad schauen“, klagt Norris. „Sonst landet man neben der Strecke.“
Norris: „Schlimmste Autos der Formel 1“
Das Lenkrad-Management fühle sich für ihn eher nach Strategiearbeit als nach Rennfahren an. Sein Fazit fällt entsprechend drastisch aus: „Wir sind von den besten Autos, die wir in der Formel 1 hatten, zu den schlimmsten gegangen.“
Auch Weltmeister Max Verstappen gehört zu den Kritikern der neuen Generation. Als „Formel E auf Steroiden“ hatte er die Königsklasse bereits in Bahrain bezeichnet. „Ich habe definitiv keinen Spaß mit den neuen Autos“, legte der Red-Bull-Star in Melbourne nach. Der Niederländer fühlt sich durch die bisherigen Eindrücke bestätigt: „Jeder kann seine Meinung haben, aber wenn man sich die Onboards anschaut, sieht man genug.“

Was Verstappen da sieht: Formel-1-Stars, die vor schnellen Vollgas-Kurven vom Gas gehen müssen, um die Batterie wieder aufzuladen. Oder Antriebseinheiten, die sich selbst kastrieren. Auf dem längsten Geradeausstück in Melbourne verlieren die Rennwagen vom Top-Speed bis zum Bremspunkt fast 60 km/h bei der Rekuperation.
Wie aus dem Fahrerlager durchgesickert ist, ging es auch deshalb beim traditionellen Fahrermeeting am Freitagabend hoch her. Anlass war neben der generellen Kritik an der extremen Energieverwaltung auch ein möglicher Sicherheitsaspekt.
Im Fokus stand der sogenannte Straightline-Modus, bei dem die Flügel auf den Geraden flach gestellt werden. Besonders die schnelle Passage zwischen Kurve 6 und Kurve 9 in Melbourne sorgte für Diskussionen. Ein kurzfristiger Vorschlag der FIA, den Mechanismus dort noch vor dem Qualifying zu deaktivieren, wurde von den Topteams blockiert.
Audi-Pilot Gabriel Bortoleto berichtet: „Mit dem Straightline-Modus hatte ich im Training ein bisschen Untersteuern und krachte fast in einen Ferrari.“
Doch hinter der konkreten Diskussion steckt ein größeres Problem: Viele Fahrer halten das grundlegende Konzept der neuen Autos für fehlerhaft. Carlos Sainz, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA, erklärt: „Es ist klar, dass niemand glücklich damit ist. Es fühlt sich so an, als ob man ein Pflaster auf das nächste klebt.“
Seiner Meinung nach liegt der Kern des Problems in der neuen 50/50-Hybridverteilung zwischen Verbrenner und Elektromotor. „Diese Aufteilung bereitet uns viele Kopfschmerzen“, sagt der Williams-Pilot.
Mercedes sieht die Sache anders
Logisch: Eine Ausnahme bilden derzeit ausgerechnet die beiden Mercedes-Piloten. Nach der dominanten Pole-Position von George Russell scheint das Team bestens mit den neuen Regeln zurechtzukommen. Russell hat sogar Gefallen an den neuen Autos gefunden, jedenfalls tut er in der Öffentlichkeit so. „Sie sind agiler und man kann mit ihnen ein bisschen mehr rutschen.“
Taktiksche Aussage oder Wahrheit? Für ihn fühlen sich die Fahrzeuge sogar besser an als in den vergangenen Jahren: „Es ist einfacher, die Reifen zu blockieren oder das Heck etwas zu verlieren. Es fühlt sich mehr wie ein Go-Kart an.“
Die Meinungen im Feld könnten also kaum unterschiedlicher sein. Während ein Großteil der Fahrer die neue Generation kritisch sieht, scheint zumindest Mercedes aktuell bestens damit klarzukommen.
Formel 1: Australien Grand Prix 2026
Qualifying, Ergebnis
| Position | Fahrer | Team | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | G. Russell | Mercedes | 01:18.518 Min. |
| 2 | A. Antonelli | Mercedes | 01:18.811 |
| 3 | I. Hadjar | Red Bull | 01:19.303 |
| 4 | C. Leclerc | Ferrari | 01:19.327 |
| 5 | O. Piastri | McLaren | 01:19.380 |
| 6 | L. Norris | McLaren | 01:19.475 |
| 7 | L. Hamilton | Ferrari | 01:19.478 |
| 8 | L. Lawson | Racing Bulls | 01:19.994 |
| 9 | A. Lindblad | Racing Bulls | 01:21.247 |
| 10 | G. Bortoleto | Audi | keine Zeit in Q3 |
| 11 | N. Hülkenberg | Audi | 01:20.303 |
| 12 | O. Bearman | Haas | 01:20.311 |
| 13 | E. Ocon | Haas | 01:20.491 |
| 14 | P. Gasly | Alpine | 01:20.501 |
| 15 | A. Albon | Williams | 01:20.941 |
| 16 | F. Colapinto | Alpine | 01:21.270 |
| 17 | F. Alonso | Aston Martin | 01:21.969 |
| 18 | S. Perez | Cadillac | 01:22.605 |
| 19 | V. Bottas | Cadillac | 01:23.244 |
| 20 | M. Verstappen | Red Bull | keine Zeit |
| 21 | C. Sainz | Williams | keine Zeit |
| 22 | L. Stroll | Aston Martin | keine Zeit |
FOLGT UNS AUF YOUTUBE!
DAS IST F1-Insider.com!