Formel 1

Zoff um neue Regeln: Fahrer laufen Sturm gegen Formel-1-Autos

Formel 1 Oscar Piastri McLaren, Quali Australien Melbourne 2026
Oscar Piastri. Credit: Quinn Rooney/Getty Images

Schon zum Saisonstart sorgt das neue Formel-1-Reglement für Ärger im Fahrerlager. Mehrere Piloten kritisieren die Autos scharf.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Das erste Rennen ist noch nicht mal gefahren, da ist es schon wieder vorbei mit dem Sport im Mittelpunkt. Nach dem Qualifying zum GP Australien schießen mehrere Fahrer scharf gegen die aktuelle Fahrzeuggeneration. Die Kritik hatte bereits bei den Wintertests in Bahrain begonnen, als Weltmeister Max Verstappen die neuen Autos als „Formel E auf Steroiden“ bezeichnete. Beim Grand Prix in Melbourne flammt die Diskussion nun erneut auf. 

Besonders deutlich wird McLaren-Pilot Lando Norris, der nach seinem angeblich ja geflunkerten Lob beim ersten Test nun endgültig die 180-Grad-Wende vollzieht. Für ihn haben die neuen Autos wenig mit klassischem Racing zu tun. „Um zu wissen, ob man am Ende der Geraden 20 Meter früher oder zehn Meter später bremsen muss, muss man alle drei Sekunden auf das Lenkrad schauen“, klagt Norris. „Sonst landet man neben der Strecke.“

Norris: „Schlimmste Autos der Formel 1“

Das Lenkrad-Management fühle sich für ihn eher nach Strategiearbeit als nach Rennfahren an. Sein Fazit fällt entsprechend drastisch aus: „Wir sind von den besten Autos, die wir in der Formel 1 hatten, zu den schlimmsten gegangen.“

Auch Weltmeister Max Verstappen gehört zu den Kritikern der neuen Generation. Als „Formel E auf Steroiden“ hatte er die Königsklasse bereits in Bahrain bezeichnet. „Ich habe definitiv keinen Spaß mit den neuen Autos“, legte der Red-Bull-Star in Melbourne nach. Der Niederländer fühlt sich durch die bisherigen Eindrücke bestätigt: „Jeder kann seine Meinung haben, aber wenn man sich die Onboards anschaut, sieht man genug.“

Formel 1 Charles Leclerc und Oscar Piastri, Quali Australien Melbourne 2026
Charles Leclerc und Oscar Piastri. Credit: Peter Fox/Getty Images

Was Verstappen da sieht: Formel-1-Stars, die vor schnellen Vollgas-Kurven vom Gas gehen müssen, um die Batterie wieder aufzuladen. Oder Antriebseinheiten, die sich selbst kastrieren. Auf dem längsten Geradeausstück in Melbourne verlieren die Rennwagen vom Top-Speed bis zum Bremspunkt fast 60 km/h bei der Rekuperation.

Wie aus dem Fahrerlager durchgesickert ist, ging es auch deshalb beim traditionellen Fahrermeeting am Freitagabend hoch her. Anlass war neben der generellen Kritik an der extremen Energieverwaltung auch ein möglicher Sicherheitsaspekt.

Im Fokus stand der sogenannte Straightline-Modus, bei dem die Flügel auf den Geraden flach gestellt werden. Besonders die schnelle Passage zwischen Kurve 6 und Kurve 9 in Melbourne sorgte für Diskussionen. Ein kurzfristiger Vorschlag der FIA, den Mechanismus dort noch vor dem Qualifying zu deaktivieren, wurde von den Topteams blockiert.

Audi-Pilot Gabriel Bortoleto berichtet: „Mit dem Straightline-Modus hatte ich im Training ein bisschen Untersteuern und krachte fast in einen Ferrari.“

Doch hinter der konkreten Diskussion steckt ein größeres Problem: Viele Fahrer halten das grundlegende Konzept der neuen Autos für fehlerhaft. Carlos Sainz, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA, erklärt: „Es ist klar, dass niemand glücklich damit ist. Es fühlt sich so an, als ob man ein Pflaster auf das nächste klebt.“

Seiner Meinung nach liegt der Kern des Problems in der neuen 50/50-Hybridverteilung zwischen Verbrenner und Elektromotor. „Diese Aufteilung bereitet uns viele Kopfschmerzen“, sagt der Williams-Pilot.

Mercedes sieht die Sache anders

Logisch: Eine Ausnahme bilden derzeit ausgerechnet die beiden Mercedes-Piloten. Nach der dominanten Pole-Position von George Russell scheint das Team bestens mit den neuen Regeln zurechtzukommen. Russell hat sogar Gefallen an den neuen Autos gefunden, jedenfalls tut er in der Öffentlichkeit so. „Sie sind agiler und man kann mit ihnen ein bisschen mehr rutschen.“

Taktiksche Aussage oder Wahrheit? Für ihn fühlen sich die Fahrzeuge sogar besser an als in den vergangenen Jahren: „Es ist einfacher, die Reifen zu blockieren oder das Heck etwas zu verlieren. Es fühlt sich mehr wie ein Go-Kart an.“

Die Meinungen im Feld könnten also kaum unterschiedlicher sein. Während ein Großteil der Fahrer die neue Generation kritisch sieht, scheint zumindest Mercedes aktuell bestens damit klarzukommen.

Formel 1: Australien Grand Prix 2026
Qualifying, Ergebnis

PositionFahrerTeamZeit
1G. RussellMercedes01:18.518 Min.
2A. AntonelliMercedes01:18.811
3I. HadjarRed Bull01:19.303
4C. LeclercFerrari01:19.327
5O. PiastriMcLaren01:19.380
6L. NorrisMcLaren01:19.475
7L. HamiltonFerrari01:19.478
8L. LawsonRacing Bulls01:19.994
9A. LindbladRacing Bulls01:21.247
10G. BortoletoAudikeine Zeit in Q3
11N. HülkenbergAudi01:20.303
12O. BearmanHaas01:20.311
13E. OconHaas01:20.491
14P. GaslyAlpine01:20.501
15A. AlbonWilliams01:20.941
16F. ColapintoAlpine01:21.270
17F. AlonsoAston Martin01:21.969
18S. PerezCadillac01:22.605
19V. BottasCadillac01:23.244
20M. VerstappenRed Bullkeine Zeit
21C. SainzWilliamskeine Zeit
22L. StrollAston Martinkeine Zeit

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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