Der Saisonauftakt der Formel 1 in Australien hat eine Frage aufgeworfen, die nun im ganzen Fahrerlager diskutiert wird: Wo genau liegt der große Vorteil von Mercedes? Beim dominanten Doppelsieg der Silberpfeile tat sich die Konkurrenz schwer zu folgen. Doch ob der Vorsprung aus dem Chassis, dem Verbrennungsmotor oder dem neuen Elektroantrieb stammt, darüber wird seit Melbourne intensiv gerätselt.
Eine erste Spur liefert die australische Analyse-Seite F1Technical, die sich auf Telemetrie-Daten und technische Auswertungen spezialisiert hat. Ihre Auswertung der Qualifying-Daten deutet darauf hin, dass Mercedes vor allem beim Energiemanagement des Elektroantriebs einen entscheidenden Schritt voraus ist. Nach den neuen Regeln der Formel 1 liefert der elektrische Teil der Antriebseinheit inzwischen rund die Hälfte der Gesamtleistung. Entsprechend groß ist sein Einfluss auf die Performance.
Mercedes mit deutlichen Vorteilen auf langen Geraden

Besonders deutlich wurde der Vorteil in den Hochgeschwindigkeitsabschnitten der Strecke von Melbourne, etwa in der schnellen Kurve 8. Laut den ausgewerteten Telemetriedaten erreichte Mercedes dort mit bis zu 327 km/h den höchsten Topspeed im Feld. Wichtiger noch: Die Geschwindigkeit blieb länger stabil als bei der Konkurrenz.
Ex-Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost zu F1-Insider.com: „Mich überrascht das nicht. Es ist wie 2014, als Mercedes ebenfalls überlegen in die neue Hybrid-Ära eingestiegen ist. Dieses komplizierte Antriebsreglement ist für einen High-Tech-Automobilkonzern wie Mercedes wie gemacht.“
Der technische Grund für die Stärke des Formel-1-Silberpfeils liegt offenbar im sogenannten Clipping. Dabei wird am Ende einer langen Geraden die elektrische Leistung reduziert, weil die Batterie leer ist und Energie zurückgewonnen werden muss. Genau hier scheint Mercedes einen entscheidenden Vorteil zu haben. Die Daten zeigen, dass die Leistung der Silberpfeile später und weniger stark abfällt als bei den meisten Rivalen. Die Fahrer können ihre Geschwindigkeit also länger halten.
Red Bull, Ferrari, Audi und Honda hinken hinterher
Bei anderen Herstellern sieht das anders aus. Sowohl die Red-Bull-Powertrains-Einheit als auch der Audi-Antrieb verlieren laut Analyse deutlich früher an Leistung. Die Geschwindigkeit fällt entsprechend abrupter ab. Ferrari zeigte ein gemischtes Bild: Während Charles Leclercs Werks-Ferrari einen deutlichen Leistungsabfall aufwies, hielt der Ferrari-betriebene Haas von Oliver Bearman die Geschwindigkeit länger. Das deutet auf unterschiedliche Setups oder Strategien beim Energiemanagement hin.

Auch Honda – aktuell Motorenpartner von Aston Martin – hatte laut den Daten Schwierigkeiten mit der Energieverteilung und verlor vor Kurve 8 vergleichsweise viel Geschwindigkeit. Das ist angesichts der desaströsen Antriebs-Lage im Team von Fernando Alonso aber auch kein Wunder.
Das Fazit der Datenanalysten: Mercedes hat offenbar nicht nur einen starken Verbrennungsmotor gebaut, sondern vor allem das Zusammenspiel der Hybrid-Komponenten besser gelöst als die Konkurrenz. Batterie, MGU-K und Energierückgewinnung arbeiten effizienter zusammen, die Leistungskurve ist gleichmäßiger.
Für einige Experten fühlt sich das bereits wie ein Déjà-vu an. Auch bei der letzten großen Antriebsrevolution im Jahr 2014 war Mercedes der Konkurrenz zunächst deutlich voraus.
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