Ferrari bringt in der Formel 1 derzeit ein Upgrade nach dem anderen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigt sich darüber zunehmend verwundert – und schickt eine spitze Bemerkung Richtung Maranello.
Man dachte eigentlich, die Zeiten der Witze über eine angebliche Bevorzugung Ferraris durch den Automobil-Weltverband gehörten der Vergangenheit an. Sprüche wie, die FIA heiße eigentlich „Ferrari International Assistance“ oder das Technische Reglement werde nach den Bedürfnissen der Scuderia geschrieben, gehörten vor 20 Jahren im Fahrerlager zum Alltag.
Doch ausgerechnet Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigt nun mit dem Finger auf FIA und Ferrari. Das enorme Entwicklungstempo der Italiener sorgt selbst bei der siegreichen Konkurrenz für Stirnrunzeln.
Ferrari rüstet schon wieder auf
Während Mercedes in Spielberg mit George Russell den Sieg feierte, staunte Wolff vor allem über die Upgrade-Offensive der Scuderia. Kaum ein Rennwochenende vergeht, ohne dass Ferrari neue Teile an den SF26 schraubt.
Und auch für den Großen Preis von Großbritannien an diesem Wochenende in Silverstone hat Ferrari bereits das nächste größere Update-Paket angekündigt – unter anderem mit einem überarbeiteten Heckflügel und einem neuen Diffusor.

„Wir sind immer wieder ein wenig überrascht, dass Ferrari das Auto auf diese Weise mit so umfangreichen Updates ausstatten kann“, sagte Wolff in seiner Medienrunde. „Meiner Meinung nach muss ihnen das Geld doch bald ausgehen – also das Geld aus dem Budgetdeckel. Denn wir können das nicht.“
Mercedes habe derzeit schlicht nicht den finanziellen Spielraum, in einer ähnlichen Frequenz neue Komponenten an die Strecke zu bringen. „Uns fehlt einfach der Spielraum innerhalb der Kostenobergrenze, um so viele Teile einzuführen, wie sie es tun“, erklärte der Österreicher.
Mercedes spart – Ferrari entwickelt
Der Formel-1-Kostendeckel liegt in der Saison 2026 bei 215 Millionen US-Dollar und gilt für alle Teams gleichermaßen.
Während Ferrari praktisch an jedem Rennwochenende Neuerungen präsentiert, verfolgt Mercedes nach eigenen Angaben eine deutlich konservativere Strategie. Auch am Antrieb hat man bislang nicht geschraubt, obwohl die Leistungsangleichungsformel ADUO das erlauben würde. In Österreich baute Mercedes zwar neue Motoren in die Silberpfeile ein – allerdings ohne technische Weiterentwicklung.
„Es handelte sich lediglich um neue Antriebseinheiten“, erklärte Wolff mit Blick auf Spielberg. „Was das Chassis angeht, nehmen wir immer wieder hier und da kleine Verbesserungen vor.“ Ein größeres Upgrade sei aktuell nicht geplant.
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Der Wiener verweist darauf, dass auch McLaren und Red Bull ihre großen Entwicklungsschritte bereits hinter sich hätten. „Wenn man McLaren, Red Bull und uns vergleicht, sieht man, dass wir in Montreal ein großes Update eingeführt haben. Dazwischen gab es kleinere Teile. Ich denke, das gilt auch für Red Bull und McLaren. Nur Ferrari scheint in dieser Hinsicht keine Grenzen zu kennen.“
Neuer Ferrari-Motor sorgt für Fragen
Zusätzlichen Gesprächsstoff liefert Ferraris neuer Motor, der bereits in Spielberg debütierte. Die Scuderia gehört zu jenen Herstellern, die im Rahmen der sogenannten ADUO-Regel zusätzliche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ihrer Power Unit erhalten.
Dass Ferrari kurz nach Bekanntwerden der Regeländerung bereits ein neues Aggregat an die Strecke brachte, überrascht Wolff. „Sie müssen also schon vor sechs Monaten mit der Entwicklung begonnen haben“, mutmaßte der Mercedes-Teamchef.
Entsprechend konnte sich Wolff auch einen weiteren Seitenhieb nicht verkneifen: „Gleiche Regeln für alle … hoffentlich.“
Marko versteht Wolffs Zweifel
Bleibt die Frage: Wäre es überhaupt möglich, die Kostendeckel-Regelung trotz der Kontrollen durch die FIA zu umgehen? F1-Insider.com fragte Ex-Red-Bull-Chefberater Helmut Marko.

Der Grazer erklärt: „Für normale Teams ist das so gut wie nicht möglich. Bei Automobilherstellern wie Mercedes oder eben auch Ferrari bin ich mir da nicht so sicher. Wie will die FIA kontrollieren, wenn in der heutigen digitalen Zeit in den Forschungszentren in Maranello oder bei Mercedes nicht auch für die Formel 1 gearbeitet wird?“
Marko spricht aus Erfahrung: „Wir haben uns 2021 und 2022 auch gewundert, wie viele Updates Mercedes damals brachte. Und wie sie das innerhalb der Kostendeckelung tun konnten. Jetzt wundert sich eben Mercedes.“
Fest steht: Gerade weil Toto Wolff die Möglichkeiten kennt, wie ein Hersteller die vorgeschriebenen Budgetregeln legal umgehen kann, sollte die FIA den erhobenen Zeigefinger des Mercedes-Teamchefs ernst nehmen.
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