FIA greift durch: Weniger Clipping, mehr Fahren am Limit. Schon ab Miami gelten neue Regeln für Quali, Rennen und Starts.
Die Formel 1 reagiert auf die anhaltende Kritik am neuen 2026-Reglement. Die FIA hat nach zahlreichen Meetings im April gemeinsam mit der FOM, den Teams und Motorenherstellern ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, das bereits ab dem kommenden Rennen in Miami greifen soll. Im Fokus: mehr Fahrbarkeit am Limit, weniger „Super-Clipping“ – und gleichzeitig mehr Sicherheit.
Vor allem das Energiemanagement steht im Zentrum der Änderungen. Im Qualifying wird die maximal erlaubte Rekuperation pro Runde von bislang 8 MJ auf 7 MJ reduziert. Ziel ist es, das extreme Energiesparen einzudämmen und wieder konstanteres Pushen zu ermöglichen.

Gleichzeitig wird beim Super-Clipping für eine schnellere, effektivere Rekuperation die Rate von 250 auf 350 kW erhöht. Das bedeutet: weniger künstliches „Aufladen“ und kürzere Phasen mit Leistungsverlust auf den Geraden.
Hohe Geschwindigkeitsunterschiede sollen verhindert werden
Auch im Rennen greift die FIA ein. Der zusätzliche Boost wird auf maximal +150 kW begrenzt, um extreme Leistungsunterschiede zu verhindern. Gleichzeitig bleibt die volle MGU-K-Leistung von 350 kW nur noch in entscheidenden Beschleunigungszonen bestehen. In anderen Streckenabschnitten wird sie auf 250 kW reduziert.
Damit soll das gefährliche Delta zwischen angreifendem und verteidigendem Auto entschärft werden, ohne das Überholen in der Formel 1 komplett zu entschärfen.
Besonders interessant: Auch beim Start wird nachgebessert. Ein neues System erkennt sogenannte „Low-Power-Starts“, also Fahrzeuge, die ungewöhnlich schlecht beschleunigen. In solchen Fällen greift automatisch zusätzliche elektrische Leistung, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Ergänzt wird das Ganze durch ein neues Warnsystem mit blinkenden Lichtern, das nachfolgende Fahrer sofort informiert.

Wärmere Heizdeckeneinstellungen für Intermediates
Auch für Regenbedingungen gibt es Anpassungen. Die Reifenheizdecken für Intermediates werden wärmer eingestellt, um direkt mehr Grip zu liefern. Gleichzeitig wird die ERS-Leistung reduziert, damit die Autos bei wenig Haftung besser kontrollierbar bleiben. Zusätzlich wurden die Rücklichter vereinfacht, um die Sichtbarkeit bei schlechten Bedingungen zu verbessern.
Noch müssen die Änderungen für die Formel 1 formal vom Motorsport-Weltrat bestätigt werden, doch ein E-Voting vor Miami gilt als Formsache.
Klar ist: Die Formel 1 hat auf die Kritik reagiert und versucht, das umstrittene 2026-Reglement noch während der laufenden Saison zu entschärfen.
Formel 1: Alle Änderungen im Überblick
- Rekuperationslimit von 8 MJ auf 7 MJ im Quali reduziert
- Superclipping-Leistung auf 350 kW erhöht (vorher 250 kW)
- Variable Energielimits jetzt bei bis zu 12 Rennen möglich (vorher 8)
- Boost auf maximal +150 kW begrenzt
- MGU-K:
- 350 kW in Beschleunigungszonen
- 250 kW in anderen Streckenabschnitten
Starts
- Neues System erkennt schwache Starts automatisch
- Zusätzliche elektrische Leistung greift bei Bedarf ein
- Blinkende Warnlichter für nachfolgende Fahrer
- Energiezähler wird vor Start zurückgesetzt
Nasse Bedingungen
- Höhere Temperaturen der Heizdecken bei Intermediates
- Reduzierte ERS-Leistung
- Vereinfachte Rücklichter
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