Formel 1

FIA reagiert auf Fahrer-Aufstand nach Horrorcrash in Suzuka

Formel 1 Bearman Crash Japan 2026
Oliver Bearman. Credit: F1
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Der Automobilweltverband FIA reagiert auf den heftigen Unfall von Oliver Bearman beim GP Japan in Suzuka. Sainz, Alonso und Co. kritisieren die aktuellen Formel-1-Regeln.

Der heftige Unfall von Oliver Bearman in Suzuka sorgt weiter für Diskussionen in der Formel 1 – und bringt die Fahrer auf die Barrikaden. Besonders deutlich wird Carlos Sainz: Für den Williams-Piloten kam der Crash nicht überraschend. „Wir haben FIA und FOM gewarnt – es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert“, sagt Sainz.

Der Hintergrund ist bekannt: extreme Geschwindigkeitsunterschiede durch das neue Energiemanagement. Während ein Auto mit vollem Boost unterwegs ist, fährt ein anderes im „Lademodus“ – mit bis zu 100 km/h weniger. 

Genau das wird Bearman zum Verhängnis. Der Haas-Pilot trifft mit deutlich höherem Tempo auf Franco Colapinto, der sich gleichzeitig verteidigt. Bearman muss ausweichen, kommt aufs Gras und schlägt heftig ein.

Sainz und Alonso kritisieren Formel-1-Regeln

Für Sainz ist klar: „So große Unterschiede gibt es in keiner anderen Rennserie. Das ist eigentlich kein Racing.“

Besonders kritisch sieht Sainz, dass die Formel 1 zwar Anpassungen fürs Qualifying vorgenommen hat, das Problem im Rennen aber bestehen bleibt. „Wir haben immer gesagt, dass es nicht nur ums Qualifying geht. Auch im Rennen ist das ein Problem.“

Formel 1 Carlos Sainz Williams Singapur 2025
Carlos Sainz. Credit: Williams

Mit Blick auf kommende Strecken wie Baku oder Las Vegas warnt der Spanier sogar vor noch größeren Risiken: hohe Geschwindigkeiten, wenig Auslaufzonen – eine gefährliche Kombination. „Stellt euch vor, das passiert dort – dann wird es richtig ernst.“

Alonso spricht von Ausweich- statt Überholmanövern

Sainz ist mit seiner Kritik nicht allein. Auch Max Verstappen spricht von einer „gefährlichen Situation“, während mehrere Fahrer berichten, wie schwer die Unterschiede einzuschätzen sind.

Fernando Alonso bringt es auf den Punkt: „Diese Geschwindigkeitsunterschiede sind verrückt. Plötzlich findest du dich mit einer höheren Batterieladung hinter einem Auto mit weniger Power wieder und entweder crashst du oder überholst. Das war dann aber ein Ausweichmanöver, kein Überholmanöver.“

Formel 1 Fernando Alonso Aston Martin China 2026
Fernando Alonso. Credit: Alex Bierens de Haan/Getty Images

Für Sainz steht fest: Die Formel 1 muss reagieren – und zwar schnell. „Ich hoffe, dass sie uns Fahrern zuhören und nicht nur den Teams.“

Das tut sie. Denn auch der Weltverband reagiert inzwischen auf den Vorfall – bleibt aber zunächst vorsichtig. Die FIA kündigt nach dem Bearman-Crash eine umfassende Analyse an, konkrete Änderungen stehen aber noch nicht fest.

FIA reagiert mit Statement

In einem offiziellen Statement heißt es: „Nach dem Unfall von Oliver Bearman beim Großen Preis von Japan und dem Beitrag hoher Annäherungsgeschwindigkeiten zu diesem Unfall möchte die FIA folgende Klarstellungen geben.

Seit ihrer Einführung sind die Regularien für 2026 Gegenstand laufender Diskussionen zwischen der FIA, den Teams, den Power-Unit-Herstellern, den Fahrern und der Formel-1-Organisation (FOM). 

Diese Regularien beinhalten bewusst eine Reihe von anpassbaren Parametern, insbesondere im Bereich des Energiemanagements, die eine Optimierung auf Basis realer Daten ermöglichen.

Es war die durchgängige Position aller Beteiligten, dass nach der Anfangsphase der Saison eine strukturierte Überprüfung stattfinden soll, um ausreichend Daten sammeln und analysieren zu können. Entsprechend sind im April mehrere Meetings angesetzt, um die Funktionsweise der neuen Regularien zu bewerten und zu entscheiden, ob Anpassungen erforderlich sind.

Mögliche Änderungen, insbesondere im Bereich des Energiemanagements, erfordern sorgfältige Simulationen und detaillierte Analysen. Die FIA wird weiterhin eng und konstruktiv mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, um das bestmögliche Ergebnis für den Sport zu erzielen, wobei die Sicherheit stets ein zentraler Bestandteil der Mission der FIA bleiben wird. 

Zum jetzigen Zeitpunkt wäre jede Spekulation über die Art möglicher Änderungen verfrüht. Weitere Informationen werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.“

Heißt unterm Strich: Das Problem ist erkannt und wird fürs nächste Rennen in Miami nun hoffentlich auch gebannt.

Kommentar

Gut, dass der Automobilweltverband FIA endlich auf die Fahrer reagiert. Bleibt die Frage, warum das so lange gedauert hat und warum erst ein schwerer Unfall passieren musste. Die Diskussionen zu höheren Geschwindigkeitsdifferenzen reichen bis ins Vorjahr zurück. 

Auch während der Wintertests wurde das Problem längst thematisiert. Die Formel 1 hätte einfach nur früher auf Fahrer, Teams, Fans und Experten hören müssen. Schade, dass immer erst die Sicherheitskarte gezogen werden muss, bevor alle Beteiligten sich dem Wohle der Sportler und des Sports widmen.

Formel 1 Japan Grand Prix 2026
Rennen, Ergebnis

PositionFahrerTeamZeitAbstand
1A. AntonelliMercedes01:32.432
2O. PiastriMcLaren01:32.99600:13.722
3C. LeclercFerrari01:32.63400:15.270
4G. RussellMercedes01:32.54900:15.754
5L. NorrisMcLaren01:33.20800:23.479
6L. HamiltonFerrari01:32.77700:25.037
7P. GaslyAlpine01:33.69100:32.340
8M. VerstappenRed Bull01:33.55200:32.677
9L. LawsonRacing Bulls01:34.23000:50.180
10E. OconHaas01:34.25600:51.216
11N. HülkenbergAudi01:33.73200:52.280
12I. HadjarRed Bull01:33.83700:56.154
13G. BortoletoAudi01:34.16400:59.078
14A. LindbladRacing Bulls01:34.31400:59.848
15C. SainzWilliams01:34.51401:05.008
16F. ColapintoAlpine01:34.51201:05.773
17S. PerezCadillac01:35.63701:32.453
18F. AlonsoAston Martin01:36.221+1 Runde
19V. BottasCadillac01:36.269+1 Runde
20A. AlbonWilliams01:33.427+2 Runden
21L. StrollAston Martin01:37.217Ausgeschieden
22O. BearmanHaas01:35.604Ausgeschieden

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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