Zu gefährlich? McLaren-Teamchef Stella fordert vor Saisonstart drei Regeländerungen, wegen Start-Chaos, Crash-Gefahr und Überhol-Frust.
Die neuen 2026er-Regeln sollten die Formel 1 spektakulärer machen, doch nach den Testfahrten in Bahrain schlägt Andrea Stella Alarm. Der Teamchef von McLaren sieht gleich drei kritische Punkte, bei denen vor dem Saisonstart in Melbourne dringend nachgebessert werden müsse, zwei davon betreffen direkt die Sicherheit.
„Ich denke, es ist zwingend notwendig, dass wir Änderungen vornehmen – und zwar sofort“, so Stella deutlich. „Es ist möglich und es ist einfach. Also sollten wir nichts Kompliziertes daraus machen und nichts verschieben, was sofort machbar ist.“
1. Start-Prozedur: Gefahr auf dem Grid?
Durch das neue Motorenreglement wurde das MGU-H gestrichen. Das bedeutet: Der Turbo muss nun klassisch über Drehzahl aufgebaut werden, um genügend Ladedruck für den Start zu erzeugen. In Bahrain war deutlich zu sehen, wie die Autos teils über zehn Sekunden hochdrehten, bevor sie sauber losfahren konnten.

Das Problem: Die aktuelle Startampel-Sequenz könnte zu kurz sein, um bei allen Autos einen optimalen Start zu gewährleisten. Unterschiedliche Reaktionszeiten und Turbo-Lag könnten dazu führen, dass einzelne Fahrzeuge deutlich schlechter vom Fleck kommen. Und: Die Leistung aus der MGU-K darf erst ab 50 km/h zugeschaltet werden.
Der McLaren-Teamchef warnt: „Wir müssen sicherstellen, dass die Startprozedur es allen Autos erlaubt, das Power-Unit-System vollständig bereit zu haben. Die Startaufstellung ist nicht der Ort, an dem Autos verzögert losfahren sollten.“
Er fordert Anpassungen bei den Zeitabständen der Startlichter, aus Sicherheitsgründen, nicht aus Wettbewerbsinteresse.
2. Lift-and-Coast: Crash-Gefahr bei hoher Geschwindigkeit
Die neue Hybrid-Architektur erfordert ein noch präziseres Energiemanagement. Fahrer müssen häufiger vom Gas gehen („Lift and Coast“), um Energie zurückzugewinnen. Das kann jedoch gefährlich werden, wenn ein nachfolgendes Auto dicht auffährt und nicht mit einer abrupten Verzögerung rechnet.
Stella erinnert indirekt an spektakuläre Unfälle der Vergangenheit, etwa Mark Webbers Flugunfall 2010 in Valencia. „Es kann passieren, dass ein Fahrer vorne Energie speichern will und deshalb lupft. Das ist keine ideale Situation, wenn man dicht folgt.“
Die Sorge: Unerwartete Geschwindigkeitsunterschiede auf Geraden könnten zu Auffahrunfällen bei hohem Tempo führen.
3. Zu wenig Überholmanöver?
Das dritte Problem betrifft nicht primär die Sicherheit, sondern das Racing selbst. Das klassische DRS wurde ersetzt. Stattdessen gibt es nun einen neuen „Overtake Mode“, der über zusätzliche elektrische Leistung funktioniert. Allerdings scheint der Effekt laut Stella zu gering.
„Unsere Fahrer sind in Bahrain gegen andere auf der Strecke gefahren, haben das Rennfahren simuliert und es war extrem schwierig zu überholen“, erklärt er.

Da alle Autos mit der aktiven Aerodynamik im „Straight Line Mode“ ähnliche Luftwiderstandswerte haben, fehlt der aerodynamische Vorteil für das hintere Fahrzeug. Die zusätzliche elektrische Energie sei nur schwer effektiv einzusetzen. Im Overtake Modus darf das folgende Fahrzeug zwar mehr Energie rekuperieren und abrufen, der Vorteil sei laut Stelle aber zu gering. Selbst bei zwei Sekunden Unterschied in der Rundenzeit sei ein Vorbeikommen kaum möglich.
Und das in Bahrain, ein Kurs, auf dem es in der Vergangenheit vergleichsweise leicht war seinen Vordermann zu attackieren. Der McLaren-Teamchef dazu: „Wir dürfen nicht eines der grundlegenden Elemente des Rennsports verlieren, die Möglichkeit zu überholen.“
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