Mercedes-Pilot George Russell kritisiert Ferrari. Die Scuderia blockiere aus „egoistischen Gründen“ eine Regeländerung zur Verbesserung der Start-Sicherheit.
Nach dem Saisonauftakt der Formel 1 in Australien gibt es bereits neuen Zoff um das Reglement. Mercedes-Pilot George Russell erhebt dabei schwere Vorwürfe gegen Ferrari. Der Brite wirft de Scuderia vor, eine mögliche Regeländerung aus Eigeninteresse zu blockieren.
Hintergrund ist ein ungewöhnlicher Effekt beim Start in Melbourne. Dort war zu sehen, dass die Startperformance im Feld stark auseinandergeht. Besonders brisant: Alpine-Pilot Franco Colapinto entging nur knapp einem schweren Unfall, als er beinahe mit hoher Geschwindigkeit auf den langsam fahrenden Racing-Bulls von Liam Lawson aufgefahren wäre.
Russell erklärt, dass die FIA das Problem erkannt habe und über eine Anpassung der Regeln nachgedacht habe. Doch nicht alle Teams seien davon begeistert gewesen. „Wie man sich vorstellen kann, wollten das einige gut startende Teams nicht, was ich ehrlich gesagt ein bisschen albern finde.“
Ferrari mit Turbo-Vorteil beim Start
Der Mercedes-Pilot nennt Ferrari zwar nicht direkt beim Namen. Doch der Zusammenhang liegt nahe: Alle Teams mit Ferrari-Aggregat haben 2026 einen Vorteil. Denn die Scuderia hat beim Start mit einem vergleichsweise kleinen Turbo weniger Probleme beim Aufladen. Der Unterschied war bei den Testfahrten und auch in Melbourne klar zu erkennen. So katapultierte sich Leclerc von Platz vier an die Spitze.

Die FIA wollte aufgrund, teils schon gefährlich, großer Geschwindigkeitsunterschiede deshalb die Regel vereinfachen und das Rekuperationslimit für den Elektromotor auf der Einführungsrunde komplett streichen.
Neben dem Sicherheitsaspekt geht es dabei auch um ein anderes Problem. Der Messpunkt auf Start/Ziel, der festlegt, wann die neue „Rekuperationsrunde“ beginnt, liegt dabei teils mitten zwischen den Startpositionen. So sind Piloten weiter vorn bereits vor dem Beginn der Formationsrunde eine Rekuperationsrunde weiter.
Wenn sie im Stand ihre Batterie aufladen, sind ihre ersten 4 MJ der 8,5 erlaubten MJ bereits rekuperiert. Sie dürfen danach nur noch 4,5 weitere MJ rekuperieren.
Piloten, die hinter dem Messpunkt starten und ihre Batterie auffüllen, überqueren dann erst noch den Messpunkt, haben ebenfalls eine vollgeladene 4-MJ-Batterie, dürfen aber durch den neuen Rekuperationsrundenbeginn dann weitere 8,5 MJ rekuperieren und wieder einsetzen. Somit sind die vorderen Piloten um 4 MJ im Nachteil.
Wer noch am Start genug Energie übrig haben will, muss daher beim Reifenaufwärmen Richtung Start genau aufpassen. Ansonsten droht ihm ein klarer Leistungsnachteil in der Startphase. Besonders den Ferrari-Kontrahenten, die Probleme beim langen Aufladen des Turboladedrucks haben, kommt da jeder MJ gelegen. Die Italiener sind logischerweise gegen eine Anpassung.
Russell: „Die FIA wollte unser Leben eigentlich nur einfacher machen und dieses Rekuperationslimit entfernen. Aber manche haben egoistische Ansichten und wollen einfach nur das tun, was für sie selbst am besten ist.“
Die FIA hätte grundsätzlich die Möglichkeit, eine Änderung aus Sicherheitsgründen auch ohne Zustimmung der Teams durchzusetzen. Bislang versucht der Weltverband jedoch noch, eine gemeinsame Lösung im Fahrerlager zu finden.
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