Formel 1

Red Bull droht Verstappen zu verlieren

Formel 1 Max Verstappen Red Bull China 2026
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool
Bianca Garloff
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Max Verstappen setzt in Suzuka ein klares Zeichen gegen Provokationen. Doch statt Rückendeckung bekommt er von Red Bull eine öffentliche Watsch’n. Ein Kommentar.

Das Thema erschüttert das Fahrerlager von Suzuka: Max Verstappen wirft einen Journalisten aus seiner eigenen Fragerunde und muss am nächsten Tag angeblich bei Red Bull zum Rapport. Das eigentliche Problem liegt aber nicht beim viermaligen Weltmeister. Sondern bei seinem Team.

Was in Suzuka passiert ist, wurde schnell als „Eklat“ verkauft. Als übertrieben emotionale Entgleisung des Niederländers. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick auf die Situation. Der englische Reporter hatte Verstappen schon im Vorjahr beim WM-Finale in Abu Dhabi mit einer gezielten Frage und dazugehöriger Mimik provoziert. Genau darauf reagiert der Niederländer jetzt. Nicht in der öffentlichen FIA-Pressekonferenz, sondern in der Team-Hospitality.

Das ist kein Ausraster und auch keine Beschränkung der Pressefreiheit. Verstappen setzt in seiner eigenen Komfortzone eine klare Grenze. So konsequent, wie er sonst die Idealinie auf der Rennstrecke trifft, agiert er auch neben der Piste.

Der viermalige Weltmeister macht damit klar: Er lässt sich nicht vorführen.

Red Bull fehlt die klare Linie

Doch statt sich klar vor seinen Fahrer zu stellen, entscheidet sich Red Bull für den weichgespülten Mittelweg. Verstappen wurde von Teamchef Laurent Mekies zur Aussprache gebeten. Und auch, wenn der Franzose den Balanceakt geschafft haben mag, dem Niederländer gefühlt eben nicht in den Rücken zu fallen, landet diese Informationen parallel und zugespitzt in der BILD. Und da heißt es dann: Verstappen musste zum Rapport.

Konsequenzen gibt es zwar keine für den Niederländer, doch das Signal des öffentlich gemachten Klapses auf die Finger ist fatal. Denn die Informationen, die an die Presse gelangten, zeigen: Red Bull distanziert sich von Verstappen. So aber geht man nicht um mit seinem Superstar.

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Japan 2026
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Der österreichische Brausehersteller hätte genau das Gegenteil tun müssen. Red Bull stand immer für Teamgeist, für Extreme, für Grenzüberschreitungen. Das Red Bull von Gründer Dietrich Mateschitz verleiht seinen Athleten Flügel – und stutzt sie nicht.  

Mehr noch: Verstappen ist nicht irgendein Fahrer. Er ist das Gesicht dieser Marke, dieses Teams, der Garant für Siege, der Maßstab für alle anderen. Derjenige, der Red Bull auch durch Tiefen zum Erfolg getragen hat und weiter tragen muss.

Verstappen fehlt die Rückendeckung

Und trotzdem bekommt er in einer Situation, in der er Red Bull-typisch zu seinen eigenen Werten steht, keine klare Rückendeckung. Das ist brandgefährlich. Denn Vertrauen funktioniert im Haifischbecken der Formel 1 nur, wenn der Fahrer weiß, dass das Team hinter ihm steht. 

Genau dieses Gefühl fehlt hier. Verstappen wird eingebremst statt mit genügend Windschatten für seine meinungsstarke Fahrt durch die Medienwelt der Königsklasse ausgestattet. Red Bull will keine Schlagzeilen. Aber genau dadurch entsteht jetzt erst recht eine.

Nicht der Vorfall ist das Problem, sondern der Umgang damit. Ein Fahrer wie Verstappen erwartet zu Recht Loyalität, Fairness und Rückhalt – gerade dann, wenn es unangenehm wird. Wenn er das nicht bekommt, entstehen Risse.

Und genauso verliert man seinen Superstar – nicht wegen schlechter Performance auf der Strecke, sondern bei einem viel heftigeren Crash daneben.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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