Nach seiner Nürburgring-Show feiern selbst Experten den Red-Bull-Star als komplettesten Rennfahrer der Welt.
Kommt nach der „Grünen Hölle“ für Max Verstappen jetzt wieder der graue Formel-1-Alltag? Nach dem Fast-Sieg beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring und nach einer Euphorie, die der niederländische Superstar bei Fans, Teamkollegen, aber auch Konkurrenten in der Eifel hinterlassen hat, muss sich Verstappen am Wochenende wieder mit seinem Hauptjob beschäftigen – einem Job, der ihm im Moment offenbar nicht die ganz große Freude bereitet.
Beim Großen Preis von Kanada muss er an diesem Wochenende wieder auf nachhaltiges Energiemanagement achten, an Stellen bremsen, an denen seine Natur eher auf Vollgas programmiert ist, und versuchen, trotz Fahrfrusts gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Und anders als beim Klassiker auf der Nordschleife, als nur ein Defekt an der Antriebswelle des AMG-Mercedes den schon sicher geglaubten Sieg zunichtemachte, muss er seinen derzeit nicht konkurrenzfähigen Red Bull trotz technischer Nachteile in der Königsklasse des Automobils so weit wie möglich nach vorne fahren.
Verstappen jetzt „bester Autofahrer der Welt“?
Fest steht: Der vierfache Weltmeister, den das neue Formel-1-Reglement zu einem wilden Tiger gemacht hat, der in einem engen Käfig leben muss, kommt nach seiner Show auf der schwierigsten Rennstrecke der Welt mit einem neuen inoffiziellen Titel nach Montreal.

Denn da sind sich viele Experten einig: Verstappen gilt jetzt als bester Autofahrer der Welt – ein Titel, den bisher Deutschlands Rallyelegende Walter Röhrl innehatte. Der Grund: Wie der „fliegende Holländer“ ist Verstappen offenbar auf allem extrem schnell, was vier Räder hat.
Die deutsche Rennsportlegende Harald Grohs (82), am Nürburgring Augenzeuge der „Verstappen-Festspiele“, bringt es auf den Punkt. Der Essener zu F1-Insider: „Ich habe extrem viele Runden auf der Nordschleife gedreht und weiß, worauf es ankommt. Aber wie Max gefahren ist, habe ich so noch nie gesehen. Er hat an Stellen überholt, an denen das eigentlich als unmöglich gilt.“
Auch Helmut Marko schwärmt von Verstappens Auftritt
Verstappens Mentor Helmut Marko, der als Chefberater von Red Bull Racing Verstappen schon mit 17 Jahren in die Formel 1 holte, wundert sich nicht. Der Grazer sagt zu F1-Insider: „Max ist womöglich der beste Rennfahrer aller Zeiten. Das hat er auf der Nordschleife noch einmal eindringlich bewiesen. Für sein Image war der Auftritt jedenfalls extrem gut.“

In der Tat: Obwohl der ganz große Triumph am Ende ausblieb, hat Verstappen mit seinem Auftritt in der „Grünen Hölle“ endgültig ein neues Kapitel seiner Karriere aufgeschlagen. Der Niederländer bewies eindrucksvoll, dass er nicht nur als Formel-1-Ausnahmekönner funktioniert, sondern auch auf völlig anderem Terrain sofort zu den Besten gehört.
Genau das beeindruckte selbst erfahrene GT3-Spezialisten.
Daher kommt der Spitzname „Maxipedia“
Vor allem Verstappens kompromisslose Fahrweise sorgte im Fahrerlager für Staunen. Während viele Piloten auf der legendären Nordschleife zunächst vorsichtig agieren, fuhr Verstappen vom ersten Stift an, als hätte er dort schon jahrelange Erfahrung gesammelt.
Dass er sich innerhalb kürzester Zeit an die Eigenheiten des Mercedes-AMG GT3 anpasste, galt intern fast schon als beängstigend.
Ein Teammitglied verriet nach dem Rennen: „Max stellt Fragen wie ein Ingenieur und fährt wie ein Verrückter. Diese Kombination gibt es normalerweise nicht.“
Genau deshalb sei auch der Spitzname „Maxipedia“ entstanden. Verstappen kenne nicht nur jede Strecke, sondern auch unzählige technische Details über Fahrzeuge verschiedenster Rennserien.
Die Formel 1 wirkt plötzlich wie ein Käfig
Besonders bemerkenswert: Trotz seines Superstar-Status suchte Verstappen ständig den Austausch mit seinen Teamkollegen. Immer wieder diskutierte er Daten, Reifenverschleiß und Linienwahl – völlig ohne Starallüren. Das imponierte selbst erfahrenen GT-Piloten.
Lucas Auer verriet nach dem Rennen anerkennend: „Er hätte sich auch einfach ins Auto setzen und nur schnell fahren können. Aber Max wollte jedes Detail verstehen. Das macht ihn so besonders.“
Für Verstappen selbst war das Nürburgring-Abenteuer offenbar weit mehr als nur ein PR-Ausflug. Der Red-Bull-Star wirkte über das gesamte Wochenende gelöst, motiviert und emotional wie lange nicht mehr. Beobachter hatten den Eindruck, dass ihn das Fahren fernab der hochpolitischen Formel-1-Welt regelrecht befreite.
Denn in der Formel 1 erlebt Verstappen derzeit eine ungewöhnlich schwierige Phase. Red Bull kämpft mit Balance-Problemen, die Konkurrenz ist enger zusammengerückt, und der Dominator der vergangenen Jahre muss plötzlich wieder härter arbeiten als gewohnt. Umso größer wirkte die Freude darüber, einfach puren Rennsport erleben zu können.
Kommt nach dem Nürburgring auch Le Mans?
Und genau deshalb dürften die 24 Stunden vom Nürburgring nicht Verstappens letzter Ausflug in andere Rennserien gewesen sein. Im Fahrerlager wurde bereits spekuliert, dass der Niederländer künftig häufiger Langstreckenrennen bestreiten könnte. Eine erneute Teilnahme beim Eifelklassiker gilt als so gut wie sicher – ebenso ein möglicher Start bei den 24 Stunden von Le Mans.
Für viele Fans steht ohnehin längst fest: Der Auftritt in der Eifel hat gezeigt, dass Verstappen nicht nur ein Formel-1-Champion ist, sondern ein Rennfahrer alter Schule – einer, der offenbar in jedem Auto sofort ans Limit gehen kann.
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