Die FIA will die umstrittenen Formel-1-Motoren für 2027 entschärfen. Doch statt Einigkeit herrscht Streit. Demnach kämpfen Ferrari, Audi, Mercedes und Red Bull hinter den Kulissen um die Zukunft der Königsklasse.
Die Formel 1 steuert auf den nächsten Machtkampf zu. Eigentlich hatte die FIA zuletzt signalisiert, die Hersteller hätten sich grundsätzlich auf Änderungen am Motorenreglement für 2027 verständigt. Doch davon kann keine Rede sein.
Einigkeit besteht lediglich darin, dass die neuen Antriebe nachgebessert werden müssen. Vor allem das aktuelle Energie-Management soll entschärft werden.
Der Plan: Der Verbrennungsmotor soll wieder mehr PS bekommen. Im Gespräch sind bis zu 15 Prozent mehr Kraftstoffdurchfluss. Das würde rund 50 Kilowatt zusätzliche Leistung bringen und die Balance zwischen Elektro- und Verbrennerantrieb deutlich verschieben.
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Doch genau hier beginnt das Problem. Denn eine derart große Änderung würde die neuen Motoren praktisch in eine andere Liga katapultieren. Einige Hersteller müssten ihre Konzepte teilweise neu entwickeln. Die ohnehin knappe Zeit bis 2027 wird dadurch noch knapper.
Audi schlägt Alarm
Besonders kritisch sieht Audi die Situation. Die Ingolstädter sind gerade erst als Werksteam in die Formel 1 eingestiegen Während Mercedes und Red Bull größere Änderungen offenbar unterstützen, fürchtet Audi vor allem den Zeitfaktor. Viele Komponenten werden noch gemeinsam mit Zulieferern entwickelt. Eine grundlegende Anpassung von Motor und Turbolader wäre kurzfristig wohl nur schwer umzusetzen.
Deshalb gilt Audi zwar als kompromissbereit, bevorzugt aber deutlich kleinere Anpassungen. Eine moderate Erhöhung des Kraftstoffdurchflusses um etwa fünf Prozent könnte aus Sicht der Ingolstädter bereits helfen.

Doch hinter den Kulissen geht es längst nicht nur um Technik. Parallel wird über die sogenannten ADUO-Regeln diskutiert. Sie sollen Herstellern, die mit ihren neuen Motoren zurückliegen, zusätzliche Entwicklungsrechte gewähren.
Brisant: Ferrari, Audi und Honda rechnen damit, von diesen Sonderrechten zu profitieren. Genau deshalb betrachten sie die geplanten Motorenänderungen kritisch. Denn je größer die Änderungen am Motorenreglement ausfallen, desto weniger wert wären diese Ausgleichsmaßnahmen.
Ferrari wird zum Königsmacher
Damit rückt plötzlich Ferrari ins Zentrum des Machtkampfs. In Maranello wächst die Sorge, dass umfangreiche Anpassungen vor allem Mercedes und Red Bull in die Karten spielen könnten. Gleichzeitig würden mögliche Vorteile aus der ADUO-Regelung wieder verpuffen. Genau deshalb könnte Ferrari am Ende über die Zukunft der Formel 1 entscheiden.
Für eine Regeländerung braucht die FIA eine Super-Mehrheit. Neben FIA und Formel-1-Management müssen vier der sechs eingeschriebenen Motorenhersteller zustimmen. Stellt sich Ferrari quer, wird es eng.

Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch General Motors. Obwohl Cadillac noch keinen eigenen Motor einsetzt, besitzt der Hersteller bereits ein Stimmrecht. Da Cadillac zunächst Ferrari-Antriebe nutzt, könnte auch diese Stimme eine wichtige Rolle spielen.
Das Problem: Während die Hersteller weiter diskutieren, läuft die Zeit davon. Normalerweise müssten die neuen Antriebe längst in der finalen Entwicklungsphase sein. Stattdessen wird noch immer über grundlegende Eckpunkte gestritten. Für die Motorenbauer ist es längst „fünf nach zwölf“.
Fest steht: Von einer Einigung ist die Formel 1 derzeit weit entfernt. Und ausgerechnet Ferrari und Audi könnten nun darüber entscheiden, wie die Königsklasse ab 2027 tatsächlich fährt.
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