Kritik am Reglement der Formel 1. Insider Ralf Bach macht die aktuelle Problematik mit einem Vergleich zu Lionel Messi deutlich. Verstappen und Leclerc schlagen Alarm.
Die Kritik am neuen Formel-1-Reglement reißt nicht ab und wird immer deutlicher. Und dabei geht es längst nicht nur um das künstliche Hin- und Hergebooste. Nach dem China-Wochenende melden sich erneut Experten und Fahrer mit klaren Worten zu Wort. Besonders ein Vergleich sorgt für Aufsehen.
F1-Insider Ralf Bach bringt das Problem auf den Punkt und zieht dabei einen Vergleich zu Fußball-Superstar Lionel Messi: „Die Top-Elite der Formel 1 kann ihr Supertalent, das sie von anderen unterscheidet, mit diesem Reglement nicht nutzen. Das ist einfach ein Fakt. Hätte man Messi das Dribbeln verboten, wäre er jetzt auch nicht mehrfacher Weltfußballer.“
Deutlicher kann man die Kritik kaum formulieren. Die Kernaussage: Das aktuelle Reglement nimmt den besten Fahrern genau das weg, was sie besonders macht. Auch Max Verstappen hatte sich bereits zuvor kritisch geäußert: „Wer das mag, hat keine Ahnung, was Rennsport bedeutet, das würde ich auch mit einem Siegerauto sagen. Es geht mir dabei ums Produkt.“

Und auch Charles Leclerc bestätigt den Eindruck aus Fahrersicht: „Früher war eine meiner Stärken, dass ich in Q3 einfach sehr große Risiken eingegangen bin, um noch etwas mehr herauszuholen. Wenn man das jetzt macht, und ich habe das gestern versucht, bringt man die Motorseite durcheinander und verliert viel mehr, als man gewinnt.“
Noch schlimmer ist der folgende Satz: „Man muss konstant fahren und ist mit diesen Power Units schneller, wenn man unter dem Limit fährt.“
Formel 1: Telemetrie zeigt das Problem
Dass diese Aussagen keine Übertreibung sind, zeigen auch die Daten aus China. Besonders deutlich wird das in Kurve 7 in Shanghai. Dort verliert Pole-Setter Andrea Kimi Antonelli trotz Vollgas rund 40 km/h, nicht, weil das Auto nicht schneller könnte, sondern weil es strategisch keinen Sinn ergibt.
Der Grund: Direkt danach folgen mehrere enge Kurven und eine lange Gerade. Wer hier zu aggressiv fährt, verliert später durch schlechteres Batteriemanagement deutlich mehr Zeit. Die Software entscheidet also indirekt, wie viel Risiko sich überhaupt lohnt.

Genau das ist der Kern der Kritik: Der Fahrer kann sein Talent nicht mehr voll ausspielen, weil die optimale Runde stark durch Energiemanagement vorgegeben wird.
Fahrer in China mehr im Fokus als in Australien
Man könnte auch sagen: Wenn die Formel 1 früher ein Rodeo mit zehn Schwierigkeitsstufen war, wurde sie durch das aktuelle Reglement eher von einer Zehn auf eine Acht zurückgestellt. Die Fahrer bewegen sich in einigen Passagen nicht mehr am absoluten Limit, sondern oft bewusst darunter, weil es schlicht schneller ist.
Immerhin: In China war die Situation etwas entschärft. Die Strecke bietet viele harte Bremszonen, wodurch mehr Energie zurückgewonnen werden kann. Dadurch fällt das Problem weniger extrem auf als noch in Melbourne. Doch die Sorge bleibt. Auf anderen Strecken könnte das Phänomen wieder deutlich stärker auftreten.
Die zentrale Frage lautet deshalb: Wie viel Einfluss darf Technik haben und wie viel Raum bleibt noch für den Fahrer? Genau darüber wird aktuell in der Formel 1 so intensiv diskutiert wie lange nicht mehr. Mögliche Änderungen, um den Fahrer wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, haben wir bereits zusammengetragen.
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