Ferrari testet in China einen neuen Heckflügel, doch nach nur einer Session verschwindet das Teil wieder. Lewis Hamilton zeigt sich über die Entscheidung überrascht.
Ferrari sorgte am Freitag in Shanghai für Stirnrunzeln, sogar beim eigenen Starfahrer. Die Scuderia hatte zum China-Wochenende erstmals den viel diskutierten neuen Heckflügel mitgebracht, der wegen seiner rotierenden Elemente im Fahrerlager den Spitznamen „Macarena“ trägt. Doch nach nur einer Session verschwand das neue Teil wieder vom Auto.
Im Sprint-Qualifying griffen sowohl Lewis Hamilton als auch Charles Leclerc wieder auf den alten Heckflügel zurück, der bereits beim Saisonauftakt in Australien verwendet worden war. Hamilton zeigte sich über diese Entscheidung durchaus überrascht. „Ich weiß nicht, warum wir wieder auf den alten Flügel zurückgegangen sind. Wir haben ziemlich hart daran gearbeitet, ihn hierherzubringen, obwohl er eigentlich erst für das vierte oder fünfte Rennen geplant war.“

Ferrari hatte den neuen Flügel ursprünglich später in der Saison einsetzen wollen. Um ihn früher testen zu können, wurde das Upgrade kurzfristig nach Shanghai gebracht. Allerdings standen nur zwei Exemplare zur Verfügung. „Sie haben großartige Arbeit geleistet, ihn vorzuziehen. Wir hatten aber nur zwei Stück davon und vielleicht war es ein bisschen zu früh. Deshalb haben wir ihn wieder abgenommen.“
Teamchef Frédéric Vasseur erklärte später, dass Ferrari den Flügel im Training vor allem auf Zuverlässigkeit überprüft habe. Für den restlichen China-GP wurde das Experiment deshalb vorerst beendet. Ganz vom Tisch ist die neue Aerodynamiklösung allerdings nicht. Die Ingenieure in Maranello wollen die Daten aus Shanghai nun genau analysieren. Ein überarbeiteter Flügel könnte im Laufe der Saison erneut auftauchen.
Hamilton zeigte sich trotz der Entscheidung mit dem Auto grundsätzlich zufrieden. „Das Auto funktioniert immer noch gut, und wir werden weiter daran arbeiten, den neuen Flügel zurückzubringen, wenn er bereit ist.“
Mercedes-Power beeindruckt Ferrari
Größer als die Frage nach dem Heckflügel ist für Hamilton derzeit jedoch ein anderes Problem: die Motorleistung. Im Sprint-Qualifying fehlten dem Ferrari-Piloten rund sechs Zehntelsekunden auf die Mercedes.
„Wir verlieren Boden. Ich denke, es passiert auf den Geraden. Da geht eine Menge Zeit verloren.“ Die Daten aus Shanghai zeigen tatsächlich deutliche Unterschiede. Auf der langen Gegengeraden erreichen die Mercedes bis zu zehn km/h mehr Top-Speed. Am Ende der Geraden fehlen dem Ferrari vor dem Bremspunkt sogar bis zu 24 km/h.
Hamilton fordert deshalb mehr Tempo aus der Motorenabteilung. „Wir haben einen Haufen Arbeit vor uns. In Maranello müssen wir wirklich extrem Gas geben, um bei der Leistung nachzulegen.“ Der SF-26 selbst bereitet dem siebenmaligen Weltmeister dagegen kaum Sorgen. „Ich glaube, in den Kurven können wir mit ihnen mithalten.“
Trotz der erneuten Qualifying-Klatsche gegen Mercedes darf Hamilton optimistisch auf das Sprintrennen blicken. Mit Platz vier im Grid und einem Ferrari, der mit kleinem Turbo besser und einfacher vom Fleck kommt, könnte er am Start durchaus nach vorn preschen.
So stürme Teamkollege Leclerc vergangene Woche noch von jenem Startplatz auf Platz eins bis zur ersten Kurve vor. Den Monegassen konnte er heute hinter sich lassen. Allerdings kämpfte Leclerc mit einem Problem auf der Gegengeraden, das ihn seinen Aussagen nach „fünf Zehntel kostete“.
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