Ist die Kritik um die neuen Formel-1-Autos gerechtfertigt? Ex-Pilot und Sky-Experte Ralf Schumacher hat eine klare Meinung.
Die Kritik am neuen Formel-1-Reglement reißt nicht ab: Künstliche Überholmanöver, Speedverlust auf den Geraden, komplexes Batteriemanagement. Jetzt meldet sich auch Ralf Schumacher zu Wort. Der Ex-F1-Pilot ordnet die aktuelle Diskussion rund um Max Verstappen und die neue Fahrzeuggeneration ein.
„Jeder soll sich ein eigenes Bild machen. Ich bin halt nur der Meinung, dass sein Mario Kart-Vergleich auf der einen Seite lustig ist, auf der anderen Seite hat die Formel 1 realisiert, da es da ein kleines Problem gibt“, erklärt Schumacher im Gespräch mit F1-Insider.com.
Schumacher: „Ein Unterschied wie Tag und Nacht“
Ein Problem, das auch Schumacher sieht. „Man merkt schon einen Unterschied. Die Fahrer rollen gefühlt 20 bis 30 km/h langsamer in die Kurven rein. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, erklärt der Sky-Experte. Gerade Fahrer, die Probleme mit aggressivem Spätbremsen haben, könnten davon profitieren. Für absolute Top-Fahrer sieht das anders aus: „Klasse Fahrer wie Max können ihre Vorteile dann nicht ausspielen und das nervt ihn.“

Daher muss eine Anpassung der Regularien her. „Wir wollen ja den schnellsten Rennfahrer sehen und nicht den besten Elektroingenieur.“
Weniger Elektro: Passt die Formel 1 das Antriebsverhältnis an?
Besonders kritisch sieht er das Verhalten der Autos auf den Geraden: „Wenn die Kamera aufs Lenkrad schaltet und am Ende der Gerade das Auto auf einmal 40 oder 50 km/h verliert, obwohl der Fahrer Vollgas gibt, dann sieht man doch, dass es ein Problem gibt.“
Für Schumacher ist klar: Das aktuelle System greift zu stark in das Fahrverhalten ein. „Gleichzeitig betont er aber auch, dass die Formel 1 die Schwierigkeiten erkannt habe und genau das sei der entscheidende Punkt: „Da die Bereitschaft da ist, muss man an dem Punkt auch mal Stopp machen,“ bilanziert der sechsmalige GP-Sieger.
Er kann den Aufschrei um die neuen Regeln jedoch nachvollziehen: „Wir sind ja alle, und da inkludiere ich uns Journalisten auch, eine große Formel-1-Familie. Am Ende wollen wir alle, dass es erfolgreich ist und dass es die Zuschauer mögen. Deshalb muss es immer die Balance halten.“

Im Hintergrund wird bereits über Änderungen diskutiert und Schumacher deutet an, dass größere Anpassungen kommen könnten: „Ich habe gehört, dass da Pläne laufen, dass sich für nächstes Jahr etwas Gravierendes ändert. Im Optimalfall vielleicht Richtung 70-30.“
Damit meint Schumacher das Verhältnis in puncto Gesamtleistung zwischen Verbrenner und Elektro, das aktuell bei 50/50 liegt, weshalb derzeit Fahrer und Teams auf unnatürliche Rekuperationsmethoden zurückgreifen müssen.
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